Ein Zug aus Eis und Feuer

Ich habe etwas getan, was ich immer wieder gerne tue: Neues ausprobieren!

Das Blog-Schreiben macht mir viel Spaß, obwohl ich momentan nicht viel zu berichten habe. Sobald ich wieder in Kolumbien bin, wird sich das jedoch ändern.
Um mal wieder einen anderen Text, als eine Hausarbeit zu schreiben, habe ich mich daran gewagt, eine Rezension zu verfassen, die auf dem Blog der lieben Marie veröffentlicht wurde. Schaut unbedingt bei ihr vorbei. Auf Everything is literary schreibt sie vor allem über Bücher, die sie inspirieren, sodass man direkt Lust bekommt, sie auch zu lesen!

Zu meinem letzten Geburtstag habe ich ein Buch von meinen Eltern geschenkt bekommen, welches ich in den Semesterferien endlich gelesen habe. Während des Semesters muss ich viele Texte für die Uni lesen und genieße es sehr, mich in der „freien Zeit“ mit anderer Literatur zu befassen.

Ein Zug aus Eis und Feuer ist ein Buch, das sehr zu Julumbien passt. Mir hat es so gut gefallen, dass es Gegenstand meiner ersten Rezension wurde.
Einige kennen vielleicht die Band Mano Negra, von der im Folgenden die Rede ist. Ich bin seit der 7. Klasse ein kleiner Fan von Manu Chao und seiner Musik, die wir im Spanischunterricht hörten. Die politischen Texte und unterschiedlichen Genres, die er zusammenmixt, inspiriert durch viele seiner Reisen, faszinieren mich.

Hört doch mal rein: Hier geht es zu Manu Chaos offiziellem YouTube-Channel.


***Diese Rezension erschien im Original als Gastbeitrag auf Everything is literary***

Kolumbien in den 90er Jahren. Gewalt, Macht- und Drogenkämpfe, politische Unruhen und Unzufriedenheit der Bevölkerung beherrschen das Land. Eine Gruppe bunter Künstler aus den verschiedensten Regionen traut sich mit einem gewagten Kulturprojekt nach Südamerika. Sie bauen aus Schrottteilen einen Zug zusammen, der auf der damals einzigen Zugstrecke Kolumbiens durch die Provinz fährt, und geben kostenlose Auftritte in den Dörfern. Mit an Bord ist die französische Band „Mano Negra“ mit Frontsänger Manu Chao, die für ihre spanischsprachige Musik weltweit bekannt ist. Begleitet werden sie von Rámon Chao, Manu Chaos Vater, der die Reise dokumentiert. Ein Reisetagebuch entsteht.

Es hört sich nach einem unglaublichen und auch gefährlichen Abenteuer an, welches die Gruppe antritt: Sie fahren durch die ärmsten Dörfer Kolumbiens um Auftritte zu geben und beeindrucken die Menschen mit einer schillernden Mischung aus Trapezkünstlern, einer Tätowierbude, Eis- und Feuerwaggons, die in Flammen aufgehen und vielen Angeboten, die die Menschen zum Strahlen bringen.
Von Anfang an werden dem Projekt jedoch Steine in den Weg gelegt. Die Finanzierung durch große Sponsoren scheint nicht sicher zu sein, am Zug treten ständig Schäden auf, die repariert werden müssen; er entgleist auf der Reise fast täglich und kommt nur mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h voran. Krankheiten, auf die niemand vorbereitet war, befallen die Reisenden und es gibt nicht einmal einen Arzt auf dem Zug.

Immer mehr Künstler spielen mit dem Gedanken, die fünfwöchige Tour abzubrechen und vorzeitig zurück nach Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens, zu reisen, wo das große Finale ansteht. Trotz all der Schwierigkeiten lassen sich viele der Artisten nicht entmutigen. Es ist die Hoffnung, die sie jeden Tag vorantreibt. Glückselige Menschen, die in Stunden des Friedens zusammen tanzen und lachen, vor Freude jubelnde Kinder, Zusammentreffen mit offenherzigen Familien, die den Künstlern mehr mit ihrer Lebensgeschichte und Offenheit zu geben scheinen, als die Gruppe das jemals könnte.
Im Traumbüro, das in jedem Ort aufgestellt wird, verewigen sich die Kolumbianer mit ihren Wünschen. Der häufigste Wunsch ist der nach Frieden und einer besseren Zukunft für ihr Land. Begegnungen mit Menschen, die unter einem zerrissenen, korrupten Land leiden und sich nicht zur Wehr setzen können, werden gefühlvoll beschrieben und vermitteln dem Leser ein Gefühl der zerreißenden Hilflosigkeit.

„Es ist der Zug, die Fahrt, es sind die pueblos, in die man einfährt, diese Dörfer, wo die Leute wohl noch nie solch ein Spektakel miterlebt haben, und es sind die Reaktionen der Menschen, ihr herzlicher Empfang, ihre Trauer, wenn wir wieder fahren. Ich werde sie nie vergessen, und ich hoffe, sie uns auch nicht.“
– Ramón Chao, Ein Zug aus Eis und Feuer, Edition Nautilus

Rámon Chao beschreibt Kolumbien, wie es noch vor 25 Jahren aussah. Ein gefährliches Land, beherrscht von Korruption, Drogengewalt, einem jahrelangen Bürgerkrieg und verworrenen, politischen Interessensgeflechten. In den Köpfen der Menschen ist es wohl noch eines der gefährlichsten Länder der Welt. Drogenbaron Pablo Escobar, der vor 25 Jahren starb, im gleichen Jahr, als der Zug Hoffnung und Freude brachte, scheint jedem ein Begriff zu sein. Schlagzeilen im Internet und in Zeitungen tragen dazu bei, Kolumbien als gefährlich einzustufen.
Doch wie sieht Kolumbien heute aus? Ist die Lage noch genauso hoffnungslos, wie Ramón Chao sie 1993 in seinem Buch beschrieb?

2016 – ein bedeutendes Jahr für die kolumbianische Nation. Nach langwierigen Friedensverhandlungen können sich die linksextreme FARC und die Regierung einigen. Juan Santos, der Präsident Kolumbiens, gewinnt den Friedensnobelpreis. Doch es ist noch ein langer Prozess, ehe sich Kolumbiens negatives Bild weltweit ändern wird.
Mit seinen vielfältigen Landschaften von der Andenregion mit beeindruckenden Bergen über das paradiesische Kaffeedreieck, dem sagenumwobenen Amazonas, Pazifik- und Karibikküste bis hin zu den bunten, kulturellen Großstädten, entwickelt sich Kolumbien zunehmend zu einem beliebten und sicheren Reiseziel. Ein Land, in das man sich schnell verlieben kann. Das erkannte schon „Mano Negra“ im Jahr 1993.

In Ein Zug aus Eis und Feuer beschreibt Ramón Chao Kolumbiens malerische Landschaften, die heute genauso schön sind wie damals. Obwohl sich das Land während der damaligen Reise noch in einer ganz anderen Lage befand als heute, steckt der Autor den Leser mit seiner Begeisterung für die Natur und Gastfreundschaft der Kolumbianer an und vermittelt kein negatives Bild. Die abwechselnden Beschreibungen der Künstlerreise mit politischen Hintergrundwissen zur Region und historischen Ereignissen des Kolumbiens der frühen 90er Jahren, sind eine interessante Mischung, die einen guten Einblick in das vielseitige Land geben. Beim Lesen steigt man mit der bunten Gruppe auf den Zug und tuckert gemeinsam von Dorf zu Dorf durch die vielfältigen Landschaften. Jeder Ort hält eine neue Begegnung bereit. Man kann das Buch kurz zur Seite legen, vom Zug absteigen und steigt später wieder auf, um die Reise fortzusetzen und sich quer durch ein unterschätztes, wunderschönes Land führen zu lassen.


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Weisheit des Tages: Damit der Alltag nicht zu langweilig wird, sollte man sich manchmal kleinen Herausforderungen stellen und auf einen neuen Zug aufspringen. Neue Dinge auszuprobieren, kann eine positive Erfahrung sein, ob es nun ein Tanzkurs, das Erlernen einer neuen Sprache oder eben das Verfassen von Buchrezensionen ist 🙂
Wann war das letzte Mal, dass ihr etwas Neues ausprobiert habt?

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Tunja in Bildern und das große Nostalgieren

Mein geliebtes Tunja in Bildern

Manchmal, wenn die Nostalgie unerträglich wird, schaue ich auf meinem Blog alte Beiträge an. Das ist das Schöne am Blogschreiben. Während meines Freiwilligendienstes diente mein Blog eher dazu euch an meinem kolumbianischen Leben teilhaben zu lassen und jetzt, zwei Jahre später, sind die Beiträge für mich etwas sehr persönliches, Erinnerungen fast wie Tagebucheinträge. Ich lese sie und mir fallen Details ein, an die ich gar nicht mehr gedacht habe. Automatisch habe ich beim Lesen ein Lächeln auf den Lippen und fühle mich in den Moment zurückversetzt.

An meinen Texten merke ich auch, wie ich mich weiterentwickle. Vieles würde ich heute anders schreiben und teilweise habe ich nun andere Blickweisen auf bestimmte Dinge durch verschiedene Erfahrungen, die ich gemacht habe. Aber ich möchte nichts an alten Beiträgen ändern, denn damals wollte ich es so schreiben.

Ich muss zugeben, dass kein Tag vergeht, an dem ich nicht an Kolumbien und meine kolumbianischen Familien denke. Die Kultur, die ich dort erlebt habe, ist ein Teil von mir geworden und manchmal fällt es mir schwer, dass meine zweite Heimat so weit weg ist. Durch Salsa-Partys in Berlin, empanadas kochen oder nostalgische Wein- (manchmal auch aguardiente-) abende mit Frieda versuche ich mir einen Teil Kolumbiens nach Deutschland zu holen.

Obwohl ich nun jeden Tag mindestens einen Gedanken an Kolumbien habe, kristallisieren sich manchmal intensivere. Manchmal, vor allem, wenn ich ein für mich typisches „Kolumbienlied“ höre, stelle ich mir ganz genau einzelne Augenblicke vor. Keine besonderen Ereignisse, sondern beispielsweise wie ich in Tunja über den plaza bolívar laufe, im Idealfall strahlende Sonne, die einen anlächelt, um mich herum Geräusche, die zum Alltag dazugehörten und kolumbianische Straßenszenen. Oder das Gefühl den Schulhof der primaria zu betreten mit den jubelnden und kreischenden Kindern, die auf mich zugerannt kamen, um mich zu begrüßen. Einen typischen Nachmittag bei meinen Nachbarn mit Netflix und Geschichten, um die Kultur kennenzulernen. Mit meiner Gastmama und -geschwistern in der Küche zu sitzen über einem tinto und über den Tag zu reden.
Oft stelle ich mir einfach vor, durch die Straßen Tunjas oder Bogotás zu laufen und dabei so viel wie möglich um mich herum wahrzunehmen. Manchmal hatte ich kleine Momente, in denen ich mir damals gesagt habe: „Jetzt. Genau das ist ein Glücksmoment.“

 

Weisheit des Tages: Ich werde wiederkommen! Tunja ist meine zweite Heimat 🙂

Julumbien in Perú und Bolivia (2)

Buenas buenas,

heute kommt direkt der zweite Teil der Südamerikareise. Ich versuche wieder mich kurz zu fassen und die Fotos sprechen zu lassen, von denen es noch mehr als genug gibt.
Es lohnt sich den ersten Teil anzusehen.
Wer mag, kann den Text überspringen und sich nur die Fotos ansehen.

Salzterrassen von Maras und Moray

Nach dem Machu Picchu ging es weiter nach Urubamba , wo wir uns zwei Attraktionen angesehen haben, die recht unbekannt sind, aber sehr empfehlenswert!
Die Salzterrassen von Maras ist die höchstgelegene Salzfarm der Welt und besteht aus mehr als 3.000 Becken. Zu Inkazeiten wurden sie angelegt und sind noch heute in Betrieb. Mittlerweile können sich peruanische Familien Salzbecken mieten, um dann selbst das Salz zu ernten und zu verkaufen.
Aus den Becken, die über eine große Bewässerungsanlage verfügen, entstehen fünf Salzsorten mit unterschiedlicher Qualität (teilweise nicht essbar), die man vor Ort kaufen kann. Während man zwischen den Terrassen entlang läuft, sieht man Menschen arbeiten, die das Salz aus den Becken in große Säcke umfüllen. Teilweise waren ganze Familien da, um zu helfen. Ich konnte es mir natürlich nicht entgehen lassen, das salzige Wasser mit der Fingerspitze zu probieren (bah!).
Die Weite und das Farbenreichtum waren sehr beeidruckend; so weit man sah, umringten uns die Terrassen. Allerdings sollen sie normalerweise schneeweiß sein. Es hatte den Tag, bevor wir kamen geregenet und deshalb waren sie in verschiedensten Brauntönen. Uns gefiel das aber sehr gut. Ein wunderschöner Ort!

Die Terrassen von Moray wurden vor vielen Jahren von den Inkas zur Landwirtschaft genutzt. Das war sehr praktisch, denn auf jeder Terrasse konnte unterschiedliche Nahrung angebaut werden. Wenn sie bewässert wurden, floss das Wasser in den niedrigsten Kreis, wo sich die Produkte befanden, die am meisten Wasser benötigten.
Mich erinnerte die Form der Terrassen in Moray sehr an eine Avocado.

Letzte Stationen vor Bolivien und der Unterschied zwischen Lama und Alpaca

Bevor wir dann die peruanische Grenze verließen, um das Abenteuer in Bolivien fortzuführen, passierten wir noch kleine Orte, eh wir die letzte Nacht in der größeren Stadt Puno verbrachten. Dort erklärte man uns auf Nachfrage, dass viele Häuser unverputzt seien, da man mehr Steuern bezahlen muss, wenn man ein fertiges Haus besitzt. Wenn es noch schön verziert ist mit Wandbemalungen, wird es noch teurer. Deshalb sieht man viele kahle Häuserfassaden in Perú (Kolumbien und Bolivien, ist das da auch so?). Das muss man sich mal vorstellen!

Allgemein hatten wir mehrere mehrstündige (bis zu 12 Stunden) Busfahrten, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Ich fand das gar nicht so schlimm, weil man die Landschaft genießen kann, die an einem vorbeizieht. Jede Stunde, so fühlt es sich an, verändert sie sich und zwischendurch werden auch viele Stops gemacht, um an den touristischen Shops was zu kaufen, Aussichtspunkte zu genießen oder Fotos mit Babyalpacas zu schießen.

An der Stelle möchte ich erwähnen, dass es Unterschiede zwischen Lamas und Alpacas gibt. Alpacas sind kleiner und haben viel mehr Wolle, weshalb sie dicker und flauschiger aussehen. Es gibt noch einige Unterschiede mehr, aber ganz so leicht fiel es mir nicht, sie auseinander zuhalten. Neben Alpacas und Lamas gibt es dann noch Vikunjas und Guanakos. Vikunjas sind klein und zierlich. Ihre Wolle ist das teuerste Verarbeitungsmaterial der Kleidungsindustrie!

Ein Dorf namens Andahuaylillas, in dem wir hielten, um uns die sixtinische Kapelle Perús anzusehen, erinnerte mich sehr an das pueblo Barichara, welches ich mit Freunden in Kolumbien einmal besuchte. Dort haben übrigens Martin und Natalia geheiratet. In dem Moment habe ich dann Heimweh nach Kolumbien bekommen.

Das echte Copacabana und Titicacasee

Nach Puno betraten wir das erste Mal Bolivien. Der Grenzübergang war ein kleiner Steinbogen und diese Grenze sollten wir noch ein weiteres Mal übertreten müssen – dazu später mehr.
Unsere erste Bolivienstation war Copcabana am Titicacasee, 3.800 Meter Höhe und kalt. Warte… Copacabana und Bolivien? Viele denken vielleicht an Rio de Janeiro, Sonne und Samba bei diesem Namen, aber der bekannte Stadtteil in Rio wurde nach dieser kleinen, unscheinbaren Stadt am Titicacasee benannt. In der Kathedrale der Stadt ist die heilige Madonna – Jungfrau von Copacabana – die Wunder vollbrachte. Nach einer Legende (die jetzt zu lang zum Aufschreiben wäre) wurde nach ihr dann auch das Stadtteil in Rio de Janeiro benannt.
Noch heute wird die Madonna verehrt. Autos aus vielen Ländern Südamerikas fahren in die kleine Stadt, um ihr neu gekauftes Auto segnen zu lassen. Neu gekauft, heißt übrigens nicht neu, denn auch auf Boliviens Straßen fahren Autos, die in Deutschland vom TÜV nicht zugelassen wären. Diese „Neuheiten“ werden bunt geschmückt und dann vor der großen Kathedrale gesegnet.

In Copacabana sind wir ein wenig durch den Ort gelaufen und unser Guide, ein super lustiger, aktiver Kubaner mit einer Liebe für Berlin, trieb uns auf einen mirador (Aussichtspunkt), von wo aus man einen tollen Blick auf den Lago de Titicaca hatte.
Am Abend sah ich einen der schönsten Sonnenuntergang, die ich je gesehen habe und verliebte mich sofort in diesen magischen Ort.

Am nächsten Tag ging es mit dem Boot zur Isla del Sol (Sonneninsel), auf der wir eine Nacht verbrachten. Die Bootsfahrt war amüsant, als unser kubanischer Guide Fausto sich über mich (da sein Englisch nicht so gut war und ich übersetzen konnte) mit meinen Eltern über den Sozialismus und die DDR unterhalten haben. Er kannte viele Kindersendungen aus der DDR und es wurde verglichen, wieviele Ähnlichkeiten es zwischen Kuba und der DDR gab. Ich war total erstaunt!

Die Sonneninsel ist ein Ort der Ruhe mit wunderschöner Aussicht auf das Festland und den endlos scheinenden See. Wir sind hochgelaufen auf die Spitze der Insel und waren uns am Ende einig, dass sich der anstrengende Aufstieg gelohnt hat. Hier fanden wir ein weiteres Stück des Paradieses.
Unser Hotel auf der Insel war sehr umweltfreundlich. Die Heizung der Hütten, in den wir schliefen, war ein schwarzer „Raum“. Dort knallte über den Tag die Sonne rein und das war der einzige Wärmespender. In der Nacht konnte ich aufgrund der Höhe (über 3.800 Meter), daraus folgenden Atemproblemen und der Kälte gar nicht schlafen, doch dadurch bemerkte ich den klaren, unglaublich schönen Sternenhimmel, der sich im See spiegelte.

Ich möchte noch kurz etwas loswerden: als ich ungefähr in der 7. oder 9. Klasse war, behandelten wir im Spanischunterricht den Titicacasee. Damals fand ich nur den Namen lustig, aber hätte niemals gedacht, dass ich diesen Ort jemals sehen würde. Wir lernten etwas über die berühmten Strohinseln auf denen die Menschen angeblich wohnen. Erst dort lernte ich, dass das reine Touristenattraktion ist und die Einheimischen diese Gaukelei gar nicht gut finden.
Für mich war es etwas ganz Besonderes, diesen Ort, den ich vor Jahren im Spanischunterricht kennengelernt habe, nun in Echt zu sehen!

Umweg über Perú, El Alto und La Paz

Nach unserer paradisischen Inselerfahrung sollte es weitergehen in die Metropolen El Alto und La Paz. Obwohl in La Paz der Regierungssitz ist, ist Sucre die Hauptstadt Boliviens.
Als wir noch auf der Insel waren, erfuhren wir, dass es politische Streiks auf der einzigen Straße nach La Paz gab und wir nicht durchkommen würden. Nach langem Hin und Her mussten wir zum kleinen Grenzübergang zurück, Bolivien verlassen, mit einem Bus in Perú zum nächsten Grenzübergang, um eine andere Straße nach La Paz zu nehmen. Das ganze brachte uns neben viel Warten, vier Stempel im Reisepass an einem Tag 😀

Bolivien hat ungefähr 11 Millionen Einwohner und gilt als das ärmste Land Südamerikas. Die meisten Einwohner leben auf dem Land. Bolivien ist in meinen Augen ein noch sehr traditionelles Land, in dem viele Menschen indigene Sprachen, wie zum Beispiel Quechua und Aymara, sprechen. Wir haben einiges über die Geschichte, Traditionen und vielfältige Kultur und Religion Boliviens gelernt, die sehr interessant ist, aber hier den Rahmen sprengen würde.

El Alto und La Paz bilden mit zusammen rund 1,6 Millionen Einwohnern den bevölkerungsreichsten Ballungsraum Bolviens. Leider haben wir nicht so viel von den Städten gesehen, aber die Fahrt mit der Hochseilbahn, durch die die beiden Städte verbunden sind, brachte uns einen Einblick.
Ich würde sehr gerne nochmal längere Zeit in einer der beiden Städte verbringen, um mir einen Eindruck zu machen.
Unser Hotel lag in der Nähe des „Hexenviertels“. Ein bisschen unheimlich war das schon, denn an zahlreichen Ständen hingen tote Babylamas, die man für wenig Geld kaufen konnte. Unser Guide erklärte uns, dass der August der Monat der pachamama ist. Die totgeborenen Lamas werden bis zum August aufbewahrt, um dann der Mutter Erde zu opfern. Mich beruhigt es, zu wissen, dass die Lamas nicht extra dafür getötet werden, denn ein Lama ist sehr teuer in Bolivien und das würde man nicht umbringen.
Die an die Inkas angelehnte Religion, an die viele Menschen in Perú und Bolivien glauben, ist sehr interessant. Sie haben keine Götter, wie im Christentum, sondern glauben an bestimmte Naturphänomene. Ich werde mich mal mehr dazu belesen.

Mein persönliches Highlight: Salar de Uyuni

Vom Flughafen El Alto sind wir nach Uyuni geflogen. Unser neuer Guide holte uns vom Flughafen ab und wir merkten sofort, dass „Herr Aturo“ (wie er sich vorstellte) ein wenig anders war. Ein kleiner zierlicher Bolivianer, der seine viertägige Tour auf deutsch halten wollte, als er mitbekam woher wir kommen. Was mich anfangs sehr störte, später konnte ich auch darüber lachen, war seine machohafte-frauenverachtende Einstellung. Meine Mutter und mich sprach er grundsätzlich nicht an, sondern nur meinen Vater und „Herrn Tino“. Es gab einige Momente, wo ich mich wirklich zusammenreißen musste, beispielsweise, als er mir erklärte, dass „hübsche Fräulein“ nicht Archäologie studieren dürfe, weil das nur für Männer ist.
Naja… mir wurde bewusst, dass das Frauenbild eben doch nicht überall so ist, wie in Deutschland.

Nichtsdestotrotz war die letzte Tour, die wir unternahmen, unvergesslich! Ich habe Orte gesehen, von denen ich niemals gedacht hatte, dass sie existieren würden. Wenn ich jetzt an die Schönheit der Natur zurückdenke, auf die wir gestoßen sind, bekomme ich ein warmes Gefühl und würde am liebsten direkt nochmal dahin.
Vier Tage land sind wir mit einem Truck durch die Salzwüste Boliviens, stets auf 4.000 Meter Höhe oder mehr, haben in einsamen Salzhotels geschlafen und eine Lagune, schöner als die andere gesehen.

Zuerst waren wir bei einem Eisenbahnfriedhof, auf dem wir rumklettern konnten, wie wir wollten. Danach ging es weiter in die über 10.000 km² große Salzwüste.

Die Salzwüste ist bei Touristen besonders beliebt, weil man großartige Fotos dort machen kann.
Hier seht ihr ein paar (es fehlt das Video, wo Tino als Riese meine Eltern und mich als Winzlinge jagt 😀 ):

Wir waren in der Trockenzeit da und es ist unglaublich diese riesigen, schneeartigen Weiten zu sehen. Auf dem spinnennetzartigem Grund findet man auch einige heiße Quellen.
Anfangs waren wir noch mit mehreren Gruppen am Startort, wo ein Rondell mit Flaggen aus aller Welt war, später schien es, als hätten wir die gesamte Wüste für uns alleine.
In der Regenzeigt stehen bis zu 13 cm Wasser auf dem Salz und die Berge rundum spiegeln sich. Das haben wir an einigen Stellen gesehen.

Wir haben in den letzten Tagen so viel gesehen, dass ich am besten gar nicht viel dazu schreibe, sondern euch einfach die besten Fotos zeige.
Einen Vormittag verbrachten wir auf der Kakteeninsel Isla Incahuasi. Der Ort wirkte fast schon surreal. Mitten in der weißen Landschaft steigt ein Hügel empor, voll mit stacheligen Kakteen.

 

An einer Stelle stießen wir auf Schienen, die nach Chile führten. Dort wurde uns bewusst, dass hinter den umliegenden Bergen und Vulkanen ganz nah Chile und Argentienen liegen.

Ich möchte noch kurz sagen, dass es während der gesamten Tour seeehr kalt war. Nachts konnten wir meist nicht schlafen, aufgrund der Kälte (Hotels waren nie beheizt, weil es meist nur bis 18 Uhr Strom gab) und der Höhe, die uns beim Atmen zu schaffen machte.

Beeindruckend waren auch die Geysire – brodelnde, heiße Quellen. Vor zwei Jahren ist eine Chilenin dort umgekommen, als sie in die Quellen reingefallen ist.

Ich war sehr erstaunt, dass auf über 4.000 Metern Höhe tausende von Flamingos leben. Mit den roten, blauen und türkisfarbenen Lagunen, der Berglandschaft und der unbekannten Flora, die wir gesehen haben, war das ein einzigartiges Naturspiel. Teilweise dachte ich wirklich, wir würden auf eine Leinwand gucken.

Am Ende fanden wir noch eingie Steinformationen, die mich sehr an die USA erinnert haben.

Ihr merkt, ich bin wirklich fasziniert von den Orten, die wir in Perú und Bolivien gesehen haben! Es gibt so viele Plätze auf dieser Welt, von denen man gar nicht weiß, dass sie existieren und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Reise machen durfte!
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben und euch gefallen Bilder und Text.
Ich merke, dass ich schon wieder Fernweh habe und die nächste Südamerikareise gar nicht abwarten kann!

Weisheit des Tages (heute mal in Manu Chaos Worten):

„Je öfter ich in Südamerika bin, desto mehr habe ich das Bedürfnis wieder hinzufahren. Eigentlich bräuchte man vier Leben allein um Südamerika zu erkunden!“

Julumbien in Perú und Bolivia (1)

Hallo ihr Lieben,

ich habe mir einen Tag Zeit genommen, um euch von meiner unglaublichen Reise im August durch Südamerika zu erzählen.
Achtung! Ich warne euch jetzt schon vor dem vermutlich längsten, aber auch vielfältigsten Beitrag, den ich je geschrieben habe. Wem das zu viel Text und Informationen sind, kann einfach die vielen, wunderschönen Bilder genießen. Viel Spaß!

Tunja

In meinem letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass ich Ende Juli (am ersten Semesterferienwochenende) aufgrund der Reise mit meiner Familie schon eine Woche vorher nach Tunja gefahren bin. In der einen kurzen, dennoch erlebnisreichen Woche, habe ich viel Zeit mit meinen Familien und Freunden verbracht. Ich war in meinen Schulen und bin ein Tag mit meiner Nachbarin nach Bogotá gefahren, da ich mir die Uni dort angeguckt habe. Dazu mehr in einem anderen Beitrag.
Am Wochenende hatte ich Martin und Natalia bei der Auswahl der Freiwilligen geholfen. Ab Januar werden das erste Mal Freiwillige aus Kolumbien nach Deutschland gehen und ich bin sehr stolz, dass die beiden dieses Projekt umsetzen! Mehr zum Süd-Nord-Projekt hier.

Am gleichen Tag bin ich mit meinen Nachbarn zu den cascadas in der Nähe von Villa de Leyva gefahren. Wir hatten wie immer viel Spaß und mit meinem Geschick bin ich ausnahmsweise mal nicht ins Wasser gefallen. Später waren wir noch in Villa de Leyva. Da liefen schon die Vorbereitungen für die fiesta del viento y de las cometas (Wind- und Drachenfest), das jedes Jahr stattfindet. Ich habe es leider immer verpasst und diesmal konnte ich ein wenig miterleben, wieviele bunte Drachen in der Luft umherschweben.
Am letzten Tag flossen wie immer viele Tränen, als ich mich auf den Weg nach Bogotá gemacht habe, um nach Líma zu fliegen.
Damals wusste ich noch nicht, dass der Abschied nur für kurze Zeit sein würde 😀

 

 

 

Lima

Es war schon komisch, mich mit meiner Familie auf dem Flughafen in Lima zu treffen!
Vor über einem Jahr war ich bereits für zwei Wochen in Perú mit einigen Freunden. Einige Stationen unserer Reise hatte ich also bereits besucht, aber man lernt ja nie alles kennen. Genauso war es in Lima.
Wir hatten zwei Tage in der Hauptstadt. Von den rund 31 Millionen Einwohnern in Perú leben 10 Millionen in Lima, also jeder Dritte! Die Stadt ist unglaublich groß!
Das bemerkten wir unter anderem am Verkehr. In Lima vergeht wohl nie ein Tag ohne Stau. Einen Abend wollten wir aus Tradition zum Hard Rock Cafe und saßen eineinhalb Stunden im Taxi, eh wir ankamen (und bezahlten trotzdem weniger als 10€).

 

 

 

Ich muss sagen, Lima ist nicht unbedingt meine Lieblingsstadt, aber natürlich kenne ich sie auch nicht gut genug. Es gibt einige schöne Orte, die sehr empfehlenswert sind, beispielsweise die Steilküste mit dem eingebauten Einkaufszentrum und dem parque del amor. Diesen erreicht man, wenn man durch das lebendige Viertel Miraflores geht. Damals hatten wir dort auch unser Hostel und nun das Hotel. Der Plaza de Armas ist der wunderschöne farbenreiche Platz, geschmückt mit vielen Palmen. Der Regierungspalast nimmt die komplette Nordseite ein und rechts von ihm ist die riesige catedral de Lima. Am letzten Tag unserer Reise, bevor wir nach Deutschland zurückgeflogen sind, hatten wir noch einen Tag in Lima, den wir im Künstlerviertel Barranco verbracht haben. Viele bunte Häuser sind mit kunstreichen Graffitis besprüht und überall sind Stände, Grünflächen und Musiker.

Paracas, Islas Ballestas und Sandsurfen

Von Lima aus ging es mit dem Bus zwei Stunden weiter in den kleinen Ort Paracas, der einzige Ort, wo wir während der Reise mal den Bikini und kurze Hosen auspacken konnten. Ansonsten befanden wir uns immer hoch oben in den Anden und hatten kein Strand- und Badewetter, wie man sich das vielleicht vorstellt.
Paracas ist ein ruhiger Fischerort mit einer Strandpromenade. Von dort aus sind wir mit dem Boot zu den Islas Ballestas gefahren, einer Inselgruppe, die mit den Galapagos-Inseln verglichen wird, aufgrund ihres Artenreichtums. Die fischreiche Küste bietet zahlreichen Tieren, Seelöwen, Robben, Kormoranen, Pelikanen, Flamingos und sogar ca. 250 Humboldt-Pinguine, einen idealen Lebensraum.
Unsere Bootstour ging zwei Stunden und es war unglaublich, wieviele Vögel und andere Tiere wir gesehen haben!

 

 

 

Dazu möchte ich erwähnen, wie laut es zwischen den tausenden Vögeln war! Noch schlimmer war der Gestank. Alle sieben Jahre gehen für drei Monate 200 Arbeiter auf die Inseln um das guano von den Felsen abzukratzen. Das ist nichts anderes als Vogelkacke.  Diese wird eingesammelt und zu Dünger verarbeitet um dann ausschließlich in Perú verwendet zu werden. Es wird sehr gut bezahlt, ist aber auch ein anstrengender und gefährlicher Job.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine kleine Wüstentour, wo uns viele Fossilien gezeigt wurden und wir einiges über den Ort lernten. Wir haben die wunderschöne Küste Paracas gesehen und ich habe jeden Moment genossen an diesem Ort.

 

 

 

Einer der Highlights der gesamten Reise war das Sandsurfen!
Zuerst hatten wir eine turbulente Buggytour, die eher einer Achterbahn glich. Mit mindestens 100 km/h sauste unser Fahrer und Guide mit einem klapprigen Gestell die steilen Sanddünen entlang. Das Beste: wir waren komplett alleine in der Wüste, soweit man blicken konnte! An einer Stelle hielten wir an und konnten so oft wir wollten (oft), die Sanddünen auf Brettern (am Ende auch ohne Bretter) runterrasen. Das war Adrenalin pur!

 

 

 

Nazca und Flug über die Nazca-Linien

Nach diesem Erlebnis fuhren wir weiter nach Nazca.
Nazca besteht praktisch aus einer großen Straße mit vielen touristischen Läden und dem typischen Plaza Prinzipal, an dem wir einen Tag einen Umzug gesehen haben. Wir sind weitervorgedrungen und auf einen lauten, chaotischen und typisch südamerikanischen mercado (Markt) gestoßen. Die Atmosphäre auf einem solchen Markt sollte man einmal erlebt haben! Mein kleiner Bruder fand es teilweise ein bisschen beängstigend oder bedrohlich. Alle Händler wollen ihre Ware loswerden und „schreien“ rum, überall ungewohnte Gerüche und zwischen Kartoffeln, Äpfeln und Mangos sieht man zahlreiche unbekannte Früchte. Die Fische und abgetrennten Hühnerbeine- und köpfe fand mein Bruder nicht so toll.

 

 

 

Der Grund, warum wir in Nazca waren, war allerdings nicht das kleine pueblo oder der mercado, sondern die mehr oder weniger bekannten Nazca-Linien.
Die Nazca-Linien wurden erst 1924 entdeckt und 1949 weltweit durch die Forschungen der Deutschen Maria Reiche bekannt. Es sind gerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen auf über 500 km². Besonders sind die überdimensionalen Zeichnungen von Vögeln, Echsen und anderen Tieren. Durch die enorme Größe sind sie nur aus großer Entfernung zu erkennen, deshalb sind wir mit einem Miniflugzeug 30 Minuten darüber geflogen.
Man rätselt noch heute, wann und wie sie entstanden sind. Es gibt zahlreiche Theorien. Viele vermuten, dass sie von Außerirdischen geschaffen wurden, da es auch eine Darstellung gibt, die einem Marsmenschen ähneln.
Vermutlich handelt es sich jedoch um Abbildungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen, die zwischen 800 und 600 v. Chr. angelegt wurden.
Tino und ich haben den Flug nicht so gut in Erinnerung. Der Pilot lenkt das Flugzeug von einer Seite zur anderen in die Senkrechte (!) und uns wurde ziemlich schlecht. Aber es ist sehr beeindruckend diese mystischen, riesigen, geometrischen Zeichnungen aus der Höhe zu sehen!

 

 

 

Arequipa

Weiter ging es in die auf 2.300 Meter gelegene Stadt Arequipa, auch „weiße Stadt“ genannt. Ein wirklich schöner Ort mit einem eindrucksvollem Hauptplatz mit Kathedrale und dem Kloster mitten im Zentrum, das eine lange, interessante Geschichte hat.
Zu der Zeit, als wir da waren, gab es in ganz Perú viele fiestas und Umzüge. Wir haben spontan einen miterlebt und die Peruaner haben ihre gute Laune und auf uns übertragen. Zwischen verschiedenen Gruppen traditioneller Tänzer mit lauter Musik, gab es kunterbunte Kostüme und Wagen mit viel Essen und Trinken. Das wurde großzügig unter den Schauenden verteilt. Tino war entsetzt, als an einem Wagen tote, gehäutete Meerschweinchen hingen. Das Bild erspare ich euch lieber.

 

 

 

Colca-Canyon und Höhenkrankheit

Von Arequipa aus hatten wir eine zweitägige Tour zum Colca-Canyon gebucht. Das war für uns alle wohl die anstrengenste Zeit.
Was uns ein wenig zu schaffen gemacht hat, war die Höhenkrankheit. Ab einer gewissen Höhe kann es zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Atemnot, Schlafstörungen und Schwäche kommen.
Ich habe ein bisschen gehofft, dass ich da ich vorher in Tunja (2.800 Meter) war, keine Probleme bekommen würde, aber falsch gedacht. Jeder kann die Höhenkrankheit bekommen, unabhängig von Alter, Gewicht oder Gesundheits-/Fitnesszustand. Mir ging es schon in Arequipa nicht so gut und ich war eine zeitlang krank, allerdings denken wir, dass der Auslöser nicht die Höhenkrankheit war, da ich in der warmen Mittagssonne Schüttelfrost bekommen habe (und weitere Male) und das kein typisches Symptom ist.

Gegen die Höhenkrankheit wird geraten viel Coca-Tee oder -produkte zu sich zu nehmen. Das mag sich ein wenig komisch anhören, aber Coca hat eine sehr lange Tradition in vielen Ländern Südamerikas.
Coca-Blätter werden hier gekaut, im Tee getrunken oder zu Süßigkeiten verarbeitet. Das ist legal, denn die Blätter müssen chemisch weiterverarbeitet werden, eh die Droge Kokain entsteht. Angeblich sollen Coca-Blätter eine stärkende, heilende Wirkung haben. Wer weiß, vielleicht hat es mir ein bisschen geholfen.

Bevor es aber hoch hinausging (wir waren schon auf über 3.000 Metern), machten wir unter anderem Halt bei einer Alpaca-Herde. Mir ging es schon nicht so gut, aber trotzdem ist mir ein großartiges Selfie mit einem Alpaca gelungen!
Der höchste Punkt, den wir erreichten war auf knapp 5.000 Meter Höhe. Ich habe mich wie im Vakuum gefühlt und kam nur sehr langsam voran. Ohne Atem saß ich da und habe die Steinformationen und aktiven Vulkane um mich herum bewundert. Rumlaufen war nicht mehr drin. Aber die Aussicht war toll!

 

 

 

Auf der Colca-Canyon-Tour haben wir viele Landschaften gesehen. Die Inka-Terrassen und der Canyon waren dabei die Highlights. Über dem Canyon gleiten die Andenkondore, Geier, die eine Flugspanne von drei Metern haben. Die Schlucht des Colca-Canyon ist mit über 3.000 Metern die zweittiefste der Welt. Grand-Canynon ist (nur) 1.800 Meter tief. Mit den eleganten, schon majestätischen Kondoren ist das ein unglaubliches Naturspiel.
Ich war aber ein wenig erschrocken, wieviele Touristen dort waren. Auf einen Kondor gab es ca. zehn Menschen und deshalb konnte ich den Moment nicht so sehr genießen, wie ich es gerne gemacht hätte.
Eh wir am Canyon waren, standen wir ewig mit Hunderten von Autos und Bussen auf der Straße, die zum Aussichtspunkt führte. Als wir in Perú waren, gab es mehrere Lehrerstreiks, die wir in einigen Städten erlebt haben. Lehrer hatten sich auf die Landstraße gestellt, so dass keiner mehr vorbei kam. Nach vielen Diskussionen konnte man sie jedoch überzeugen, dass sie die Straßen freimachen für die Touristen.
Trotzalldem war es ein beeindruckendes Erlebnis ins Colca-Tal zu fahren!

 

 

 

Cusco und Machu Picchu

Von Cusco habe ich leider nicht viel mitbekommen. Cusco ist die letzte große Stadt vor der Sensation Machu Picchu und liegt auf 3.400 Meter Höhe. Sie erinnert mich ein wenig an Tunja mit den umliegenden Bergen und den Tiefen und Höhen der Stadt. Als ich letztes Jahr dort war, hatten wir eine schöne Zeit. Diesmal lag ich leider nur krank im Bett. Hier trotzdem ein paar Fotos:

 

 

Diesmal bestritten wir nicht den Inka-Trail, sondern sind mit dem Panoramazug nach Aguas Calientes gefahren, dem letzten Ort vor Machu Picchu.
Obwohl ich noch nicht wieder richtig gesund war, habe ich die zweistündige Tour mit unserem Guide mitgemacht und wieder viele spannende Dinge gelernt über die Inka-Kultur, deren Bauweise und Religion. Die Inkas verehrten die pacha mama (Mutter Erde) und richteten ihre Lebensweise nach ihr. Ich könnte einen extra Beitrag darüber schreiben, weil ich das Thema sehr spannend finde.
Auf dem Machu Picchu war es wieder magisch! Unbeschreiblich ist die Atmosphäre, wenn dünne und dichte Nebelschwaden sich um die Bergkuppeln legen. Jeder Augenblick ist einzigartig, da die Wolken ständig in Bewegung sind und neue Bilder schaffen.

 

 

Nach einem magischen und anstrengenden Tag sind wir noch eine Nacht in Agua Calientes geblieben, eh es mit dem Zug zurück ging.
Hier noch ein paar Fotos aus dem pueblo:

 

 

So, wer es bis hierhin geschafft hat… Herzlichen Glückwunsch 😀
Das war ungefähr die Hälfte unserer Peru-Bolivien-Reise. Es ist doch schwieriger, als gedacht, drei Wochen voller Erlebnisse zusammenzufassen. Also geht es bald mit einem zweiten Teil weiter, denn es fehlen noch jede Menge Fotos und wunderschöne Orte, die ich mit euch teilen möchte (Titicacasee, Salzwüste, bunte Lagunen)!

Weisheit des Tages: Man wird ein Land niemals komplett kennenlernen! Aber man kann versuchen, so viel, wie möglich mitzunehmen und zu erleben.

Dreimal Kolumbien in einem Jahr!

Hola queridxs!

Ihr werdet denken, ich bin verrückt… Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich so lange nichts mehr auf meinem Blog geschrieben habe. Es ist nicht so, dass ich nichts zu berichten hätte, aber es ist mir fast schon unangenehm zu sagen, dass ich dieses Jahr dreimal in meiner zweiten Heimat war!

Von meinem einwöchigen Aufenthalt in Kolumbien im August habe ich noch nichts berichtet. Das habe ich mir aber fest vorgenommen, genauso wie der Bericht über die Peru-Bolivien-Rundreise mit meiner Familie, die einer der beeindruckendsten und interessantesten Reisen war, die ich gemacht habe.

Um kurz die drei Kolumbienaufenthalte zu erklären:

  1. März, drei Wochen: Frieda und ich reisten gemeinsam in den Semesterferien nach Kolumbien.
  2. August, eine Woche: meine Eltern hatten nachdem sie südamerikanische Luft geschnuppert hatten, Lust nach mehr bekommen und eine Reise nach Peru und Bolivien geplant. Deshalb hatte ich mich entschlossen eine Woche vorher nach Tunja zu fliegen und Freunde und Familie dort zu besuchen.
  3. Oktober: zweieinhalb Wochen: Ende August nach der einmonatigen Reise durch Südamerika sind wir wieder in Deutschland angekommen, alle froh nach so langer Zeit wieder zuhause zu sein und ich habe die Nacht durchgeweint mit Sehnsucht nach Kolumbien. Am nächsten Tag habe ich dann die Flüge für Ende September gebucht. In den vier Wochen, die ich in Deutschland war, habe ich eine Woche lang 11 Stunden am Tag gearbeitet (um mir den Aufenthalt zu finanzieren) und die restlichen Wochen eine Website für die Uni programmiert. Das war eine sehr stressige Zeit, nur um noch ein letztes Mal nach Kolumbien zu fliegen.

Davon möchte ich euch jetzt ein bisschen berichten, denn ich habe wieder viele neue Erfahrungen gesammelt und interessante Dinge unternommen.

Nach einer langen Reise, ausgestattet mit mehr als zwei Kilo Schokolade, kam ich glücklich und erschöpft in meinem geliebten Tunja an. Da der große Fredy (wer es nicht mehr weiß, mein Nachbar) mit dem Auto in Villa de Leyva war, wurde ich von dem kleinen Fredy vom terminal in Tunja abgeholt. Wie schon bei den letzten Malen wurde ich herzlich von meinen Nachbarn und meiner Gastfamilie empfangen. Ich habe mich sehr gefreut, wieder da zu sein und auch wenn das letzte Mal, dass wir uns gesehen hatten nur wenige Wochen her waren, war es ein schöner Moment.

In diesem Jahr hat meine Gastfamilie wieder einen Freiwilligen aufgenommen, den ich noch am gleichen Abend kennengelernt habe. Ricardo ist dreiviertel Kolumbianer und spricht deshalb perfekt spanisch. Mit ihm, Nico und dem kleinen Fredy habe ich noch einen Film geguckt und bin dann schlafen gegangen.
Am nächsten Tag bin ich zur Geburtstagsfeier meiner Schule gegangen, die nur fünf Minuten zu Fuß entfernt war, in einer riesen Turnhalle. Dort habe ich viele profes und estudiantes wiedergesehen und die neue Freiwillige kennengelernt. Bei der Feier wurden wie immer zu Beginn die Hymnen (Reihenfolge: Hymne von Kolumbien, Boyacá, Tunja, Schule) gesungen. Darauf folgten einige Reden und viele verschiedene Tänze von traditionellen wie cumbia bis Hip Hop und Cheerleading.

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Nach einem typischen kolumbianischen tinto (die mir sehr fehlen in Deutschland) mit meiner Gastmutter und einigen Nachbarinnen gab es Mittagessen (das mir noch mehr fehlt). Ich habe nach dem Essen schon wieder gepackt und bin noch am gleichen Nachmittag nach Bogotá gefahren. Dort habe ich mich mit einer Freundin getroffen, die gerade in Bogotá arbeitet, denn über das Wochenende wollten wir zusammen verreisen.
Für mich war es komisch und auch traurig endlich wieder in Tunja zu sein und direkt wieder loszufahren. Allerdings wollte ich nicht zwei Wochen nur in Tunja sein und auch wieder neue Orte kennenlernen. So neu war der Wochenendtrip für mich letztendlich nicht, aber ich hatte eine sehr schöne Zeit mit Laura.

Von Bogotá aus sind wir freitagabend um 22 Uhr nach Medellín gefahren.
Medellín verbinden viele nach wie vor mit Pablo Escobar und dem Drogenkartell, dass er damals in der Stadt des „ewigen Frühlings“ führte. Mittlerweile hat sich Medellín zu einer schönen Metropole mit einem großen Kulturangebot entwickelt. 2012 wurde sie vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt ernannt und wird immer mehr zum Vorzeigeprojekt für ganz Lateinamerika.

Nach kolumbianischen Angaben dauert die Fahrt von Bogotá nach Medellín 8 Stunden. Aus 8 Stunden wurden 14… Laura und ich waren nicht sehr begeistert, zumal die Reisebusse immer sehr runtergekühlt werden, da sonst die Luft zu schlecht wird. Auf Lauras Nachfrage, ob er die Klimaanlage ausmachen kann, meinte der Busfahrer, dass das extra kostet.

Ziemlich fertig aber erleichtert die Fahrt überstanden zu haben, kamen wir in der zweitgrößten Stadt Kolumbiens an. Nach einem verspäteten Frühstück beziehungsweise verfrühten Mittagessen sind wir am plaza botero, der nach dem berühmten kolumbianischem Künstler Fernando Botero benannt wurde, in das museo de antioquia gegangen. Dort waren auch viele Werke von Botero ausgestellt. Dieser ist bekannt für seine fülligen Figuren, die auf dem Platz in Statueform überall stehen.

Im Februar 2016 war ich für einige Tage in Medellín, allerdings habe ich nie über meine Reise auf diesem Blog berichtet. Damals war ich im jardín botánico, der auch ein Schmetterlingshaus beinhaltet. Wir waren auch mehr durch das centro gelaufen und haben mehr von der Stadt gesehen.
Diesmal haben Laura und ich etwas unternommen, was ich jedem empfehle und damals leider nicht geschafft habe.
Medellín ist die einzige kolumbianische Stadt, die eine metro hat. Das ist in der Großstadt sehr hilfreich und ich habe schon oft gedacht, dass neben der transmilenio im chaotischen Bogotá eine metro sehr nutzvoll wäre. Das würde den Transport komfortabler machen und die Fahrten ungemein verkürzen!
Eine Metrofahrt kostet 2.500 Pesos. Wenn man den Bereich der metro nicht verlässt, kann man auch in die anderen Linien umsteigen. Neben der metro gibt es noch die metrocable, eine Seilbahn mit Gondeln, die zu den Armenvierteln Santo Domingo und San Javier fährt. Es ist zugegebenermaßen ein wenig makaber, aber es ist interessant einfach die Runde mit der Seilbahn zu fahren, erst über das große Medellín und dann weiter in die ärmeren Viertel.

Leider hatten wir nicht viel Glück und es regnete, doch das gab der Stadt etwas Mystisches. Der Regen (warum ist Oktober Regenzeit in Kolumbien?!) hielt uns trotzdem nicht davon ab, ein Eis bei mimos zu essen.
Als wir endlich ein Taxi abbekommen haben, sind wir ins barrio El Poblado, denn das ist das Viertel mit Restaurants, Bars und Hostels. Wir hatten kein Hostel gebucht; unser Trip war generell sehr spontan gewesen, wie das in Kolumbien nicht unüblich ist. Nach der Empfehlung eines Freundes haben wir ein schönes, aber überteuertes Hostel für 40.000 Pesos (ca. 12€) pro Nacht bezogen. Unsere großen Pläne das Nachtleben Medellíns zu erkunden, fielen ins Wasser, da wir zu müde von der Nachtfahrt und dem vielen Laufen waren, also ließen wir den Tag beim gemütlichen Sushi essen ausklingen.

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich zur hacienda nápoles, zum Haus Pablo Escobars. Meine Gastfamilie hat es mir sehr empfohlen dort hinzugehen. Es ist nicht nur der Wohnort des Drogenbarons gewesen, er hat sich dort seine eigene Welt geschaffen. Heute gibt es dort noch Giraffen, Nashörner, Kängurus, Nilpferde und viele weitere Tiere, die von seinem Zoo übrig geblieben sind, einen Dinopark mit riesigen Skulpturen, ein Escobar-Museum, einen Wasserpark und viele weitere Attraktionen.
Die hacienda befindet sich zwischen Medellín und Bogotá und ist deshalb nicht leicht zu erreichen. Leider konnte ich mir das dieses Mal also nicht anschauen.
Stattdessen bin ich mit Laura zum zweiten Mal nach Guatapé gefahren, ein Dorf, das zwei Stunden entfernt liegt, um auf die piedra del peñols zu steigen. Für mich einer der schönsten Orte in Kolumbien!
Vorher waren wir noch im pueblito paísa, ein touristisches Dorf mitten in der Stadt, dass ein wunderbarer Aussichtspunkt ist. Der Panoramablick mit Medellíns Hochhäusern und den umliegenden Bergen war beeindruckend. Wir hatten sogar Glück mit dem Wetter.

Danach ging es nach Guatapé und nach einem stärkendem cerveza wagten wir uns auf den „Stein“. Obwohl der Aufstieg mit 740 Stufen bei Sonne anstrengend ist, lohnt sich der Ausblick mit den malerischen Lagunen rund um!

Nach diesem Erlebnis mussten wir uns erstmal stärken und was ist da besser geeignet, als die bandeja paísa? Das typische Gericht aus Medellín und Umgebung besteht aus Reis, Kartoffeln, Bohnen, Spiegelei, Arepa, Salat, Avocado und normalerweise Schweinefleisch mit Kruste und Würstchen. Leichte Kost also!
Anschließend haben wir das pueblo Guatapé mit seinen bunten Häusern und ruhigen Straßen angeschaut.

Abends ging es zurück nach Bogotá (diesmal nur 10 Stunden). Nach einem leckeren Frühstück in Lauras Lieblingscafé haben wir uns verabschiedet und ich habe mich mit einer Freundin getroffen. Gegen nachmittag bin ich in Tunja angekommen und war sehr glücklich zu wissen, dass ich zwei Wochen in Tunja sein würde mit meinen lieben Leuten.

Um euch nicht zu langweilen, werde ich meine Highlights der restlichen zwei Wochen zusammenfassen. Ich habe sehr viel Zeit mit meinen Familien verbracht, mit Freunden getroffen und war auch noch einmal in der primaria.

Tejo

Obwohl ich ein Jahr in Boyacá lebte, habe ich nie das typische tejo gespielt, das schon seit über 500 Jahren in den departamentos Boyacá und Cundinamarca in Kolumbien gespielt wird. Ich versuche mal kurz die Regeln zu erklären:

Beim Spiel versucht man, eine eiserne, runde Scheibe, den sogenannten Tejo,  in den Kreis in der Mitte eines Bottichs mit Lehm (genannt bocín) zu werfen und so die dort an dessen Rand aufgelegten dreieckigen Schwarzpulvertaschen, die mechas, zu treffen und explodieren zu lassen. Wenn eine mecha getroffen wird, gewinnt der Einzelspieler oder das Team, unabhängig davon, wer der Mitte am nächsten liegt. Falls keine mecha explodiert, gewinnt die Person oder das Team, dessen Tejo näher am bocín liegt. Das war schwerer als gedacht!
Dazu muss ich noch erwähnen, dass wir Mini-Tejo gespielt haben. Die Entfernung bis zum bocín ist kürzer und der Tejo ist nur halb so groß und schwer.
Essentieller Bestandteil des Spiels ist Bier. Wir durften nur spielen, wenn wir mindestens einen halben Kasten bestellen. Ohne Bier kein Tejo.
Ein sehr lustiger Abend mit Freunden und meine Stimmung war vor allem dann erheitert, als ich tatsächlich in der letzten Runde eine mecha zum Explodieren gebracht habe!

 

Sora

Beim  empanadas essen bei Friedas ehemaliger Gastfamilie, durch Nachbarn und beim Tejo spielen, hatte ich schon einige der jetzigen voluntarios kennengelernt. Am Freitag hatten sie eine reúnion in Sora, einem Dorf ca. 20 Minuten von Tunja entfernt. Ich bin mitgefahren und habe die Gruppe tortugas locas kennengelernt. Es war interessant Erfahrungen auszutauschen und ein bisschen neidisch war ich schon, zu wissen, dass sie noch 10 Monate in Kolumbien leben. Bei dem Geburtstag der Schule haben sie das Lied „Auf uns“ aufgeführt und von den unterschiedlichen Klassenstufen gab es wieder Tänze.

 

Quinceañera

Am Samstag haben mich meine Nachbarn netterweise zu einem ganz besonderen Ereignis mitgenommen. Sie waren zum 15. Geburtstag einer Bekanntin eingeladen. 2016 war ich bereits bei einem 15. Geburtstag, was aber alles ein wenig spontan und anders war.
Der 15. Geburtstag eines Mädchens in weiten Teilen Lateinamerikas ist ein großes Ereignis. Das Mädchen wird zur Frau und das wird riesig gefeiert. Zum Ehrentag der cumpleañera (Geburtstagskind) gibt die Familie eine Menge Geld aus. Mir wurde gesagt, dass eine solche Feier mindestens 4.000€ kostet, meist weit mehr.
Die Dekoration, Feier und Kleider gleichen einer Traumhochzeit.

Zuerst waren wir zur misa (Messe) eingeladen. Anschließend sind wir in den Saal gegangen. Die Feier wurde damit eröffnet, dass zuerst die Eltern, dann die cumpleañera eine große Treppe runterkam. Vater und Tochter tanzten einen Walzer (wirklich, Walzer in Kolumbien?!) und danach tanzte sie mit fünfzehn jungen Männern, die ihr alle eine Rose überreicht haben. Auch der kleine Fredy musste dran glauben, zur (Schaden-)Freude seiner Familie und mir (denn er tanzt gar nicht gerne) 😀

Es wurden viele Fotos gemacht und das Essen wurde serviert. Dieses war sehr fleischlastig also habe ich Reis mit Obstsalat bekommen. Das postre war ein sehr schöner, typisch klebrig-süßer Kuchen.

Danach wurde bis in die Nacht hinein getanzt von Vallenato über Merengue bis Reggaeton. Dabei wurden witzige Partyartikel, bunte Hüte, Brillen und Krawatten verteilt.
Für mich war es toll eine Quienceañera mitzuerleben und ich merkte wieder, wie tanzfreudig und lebensfroh die Kolumbianer (außer die beiden Fredys) sind.
Die Feier glich eher eine Hochzeit und ich war ein wenig traurig, dass es in Deutschland nur so wenig große Feiern gibt (zumindest in meinem Umkreis). Kaum ein Geburtstag würde dem in Deutschland gleichen.
Allerdings meinten meine Nachbarn, dass es eine recht ruhige Quienceañera war. Das lag vielleicht daran, dass nicht viele Freunde, sondern mehr Familie eingeladen war.

Ich bin froh, dabeigewesen zu sein und um genau zu sein war ich bei zwei Quienceañeras während der zwei Wochen, weil meine Schule auch 15 Jahre alt geworden ist.

Duitama und Pueblito Boyacense

Am Montag habe ich spontan einen Ausflug mit meinem Gastbruder in das eineinhalb Stunden entfernte Duitama unternommen. Duitama ist vergleichbar mit Tunja, nur ein wenig kleiner. Der plaza bolívar ist verhältnismäßig groß.

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Duitamas plaza bolívar

Der Grund, warum ich nach Duitama wollte, ist das touristische pueblito boyacense, das 1992 erbaut wurde und zu Fuß erreichbar ist von Duitama aus. Es ist ein kleiner Bereich mit ca. 100 Häusern, der in mehrere Abschnitte unterteilt ist. Jeder Abschnitt zeigt die Architektur eines der schönen Dörfer Boyacás, Villa de Leyva, Tibabosa, Tenza, Sachicá, Ráquira und weitere. In den Häusern finden sich kleine Läden, Cafés und Restaurants mit den typischen Produkten.

Leider waren viele Geschäfte geschlossen, als wir da waren, was uns aber zu einer witzigen Begegnung führte. Nico freute sich über jeden offenen Laden den er fand. So standen wir auf einmal in dem Wohnzimmer einer Familie, denn einige Häuser sind auch bewohnt. Ich war schon skeptisch, doch als wir gesehen haben, wie eine Frau gerade die Betten macht, sind wir schnell gegangen 😀

 

Soracá

Einen Nachmittag bin ich mit meinen Geschwistern nach Soracá gelaufen. Ein weiteres Dorf, zu dem man von unserem barrio aus eineinhalb Stunden läuft (viel bergauf!). Die Aussicht ist wunderschön und obwohl ich noch vor Jahren Wandern und Berge schrecklich langweilig fand, genieße ich solche Momente nun sehr. Es war schön, viel Zeit mit den beiden zu verbringen und wir hatten wieder viel Spaß zusammen, als Nico Silvias Hühnerangst ausnutzte und die freilaufenden Hühner mit kolumbianischen Chips auf sie gehetzt hat 😀

 

Cumpleaños

Am Samstag, einen Tag vor meinen Rückflug, hatte ich Geburtstag und der wurde mit kolumbianischen Traditionen gefeiert. Das Einzige, was gefehlt hat: 20 Eier auf dem Kopf mit Mehl und Dreck. Das ist eine Tradition, die meine Familie ablehnt 😀
Zum Mittagessen kam die Familie vorbei. Es gab postre, was meine Gastmutter zubereitet hat; gelatína (Götterspeise) in Rosen- und Sonnenblumenform. Beim Anschneiden werden Fotos mit dem Geburtstagskind gemacht und dabei ist wichtig, dass jeder einmal mit dem cumpleañero zu sehen ist.
Mein Lieblingsgeburtstagslied Que Dios Te Bendiga durfte auch nicht fehlen!

Nachmittags sind wir zu den Nachbarn, da der kleine Fredy am gleichen Tag Geburtstag hat. Deshalb haben wir auch zusammen eine Torte bekommen, die angeschnitten wurde. Die Torte fand ich echt super und die Witze, wer wen essen möchte waren auch nicht schlecht.

Alle waren sehr lieb zu mir und ich hatte einen unvergesslichen Geburtstag in Kolumbien. So habe ich auch nochmal viel Zeit mit meinen lieben Kolumbianern verbracht.

Bedingt durch Uni und Arbeit kann ich leider erst in 10 Monaten wieder in Kolumbien sein, im August 2018. Alle waren sehr traurig darüber und konnten es gar nicht glauben. Allerdings meinten viele:
„Ach, du kommst doch viel früher wieder!“
„Das schaffst du doch gar nicht so lange ohne Kolumbien!“
„Wir sehen dich doch in sechs Monaten schon wieder!“

Der Abschied fiel mir wie immer sehr schwer, vor allem weil ich weiß, dass ich nicht nach ein paar Monaten wieder da bin. Nach meinem Freiwilligendienst war die längste Zeit, die ich nicht in Kolumbien war, 8 Monate, also wird es ganz schön viel.
Aber mit meinem geplanten Auslandssemester in Bogotá ab August werde ich das nächste Mal für längere Zeit bleiben 🙂

Weisheit des Tages: ich fühle mich wieder ein Stückchen mehr kolumbianisch mit den neuen Erfahrungen, die ich gesammelt habe: Tejo spielen, Quinceañera und Geburtstag feiern in Kolumbien!

Zurück in der zweiten Heimat!

Hola a todos!

Dieser Beitrag sollte eigentlich schon im April kommen, aber leider habe ich es früher nicht geschafft. Nun habe ich aber einen Anlass gefunden und mir eine Deadline bis heute gesetzt.
Heute ist es genau zwei Jahre her, dass ich erfahren habe, ich könne nach Kolumbien gehen. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, denn mein Bruder hatte Geburtstag und ich habe gerade meinen Koffer gepackt, weil ich am nächsten Tag für eine Woche auf Abifahrt in die Türkei geflogen bin. Meine erste Reaktion damals: weinen. Ich wollte unbedingt ins Ausland, aber niemals nach Kolumbien! Jetzt zwei Jahre später, kann ich es immer noch nicht ganz glauben, wieviel ich in dieser Zeit erlebt habe und wie sehr ich mich verändert habe. Kolumbien ist nun ein Teil von mir. Genauso wie meine Gastfamilie, meine Nachbarn und die anderen tollen Leute, die ich dort kennengelernt habe!

Das hatte sich im März wieder bestätigt. Nach siebeneinhalb Monaten bin ich mit Frieda (endlich) wieder Richtung zweite Heimat geflogen und wir haben drei Wochen in Kolumbien verbracht. Wie das so war nach so langer Zeit wieder dort zu sein und was ich erlebt habe, wollte ich hier berichten (auch wenn es schon wieder drei Monate her ist).

Frieda und ich sind am 14. März los und es hat schon mit einer Menge Stress angefangen! An den Berliner Flughäfen wurde gestreikt und unser Flug wurde gestrichen. Nach langem Hin und Her sind Frieda und ich vollbepackt um 5:30 Uhr vom Hauptbahnhof in Berlin nach Hannover gefahren und von da aus über Amsterdam nach Bogotá. Ursprünglich wollten meine Nachbarn uns vom Flughafen abholen, jedoch hat das nicht geklappt und wir sind dann mit dem Taxi zum Terminal und von da aus haben wir einen Bus nach Tunja genommen. Obwohl wir gegen 18 Uhr in Bogotá ankamen, waren wir erst 23 Uhr in Tunja, weil es auch viel trancón (Stau) gab. Ich wollte zwar so schnell wie möglich nach Tunja, aber die Busfahrt fand ich gar nicht so schlimm. Ich war einfach sooo feliz endlich wieder auf kolumbianischer tierra zu sein. Die Menschen, der Stau, die hupenden Autos, die kleinen Stände mit Snacks, die Gerüche… Ich habe alles in mich aufgenommen und konnte nicht glauben, dass ich endlich wieder da war.
Am Terminal in Tunja wurden wir schon von meinen Nachbarn freudig erwartet. Das Wiedersehen war ein unbeschreiblich schöner Moment. Ich konnte es einfach nicht fassen wieder in Tunja zu sein. Sooo lange hatte ich auf diesen Moment gewartet. Osmany konnte es natürlich nicht lassen noch direkt am Terminal ein Foto zu schießen, egal wie fertig Frieda und ich nach über 13 Stunden Flug waren.

 

Mit dem Auto sind wir in mein geliebtes barrio Bochica gefahren. In die Straße einzubiegen, in der ich fast ein Jahr gelebt habe, war unbeschreiblich. So viele Erinnerungen sind aufgekommen!
Sobald wir einbogen, kamen auch schon meine Gastfamilie und Adrian und der kleine Fredy aus den Häusern (die nicht mit am Terminal waren). Endlich konnte ich meine Lieben wieder in den Arm schließen!

Meine Mutter war vor der Reise ein bisschen besorgt, dass ich nach Kolumbien gehen würde und enttäuscht wäre, da es nicht mehr so ist wie vorher. Aber das war gar nicht der Fall. Ich habe mich sofort so gefühlt, als wäre ich nie weg gewesen und so ging es auch meinen kolumbianischen Familien.

Die darauf folgende Woche war sehr intensiv! Frieda und ich haben jeden Moment genutzt, um Freunde und Familie wiederzusehen, in unsere Lieblingsecken Tunjas zu gehen und einfach das kolumbianische Leben zu genießen.

Der Jetlag kam mir dabei sehr gelegen. Um 5 Uhr konnte ich in den ersten Tagen nicht mehr schlafen und war dann den ganzen Tag unterwegs.
Am ersten Tag habe ich nach dem Frühstück (also 6:15) den kleinen Fredy zur Schule begleitet, weil seine in der Nähe meines bachillerato ist. An meiner Schule war es für viele Lehrer eine große Überraschung mich wiederzusehen. Nur die profe, mit der ich am Meisten zusammengearbeitet habe, wusste, dass ich kommen würde. So habe ich auch gleich meinen Nachfolger Noah kennengelernt. Mit meiner profe bin ich dann tinto trinken gegangen. Danach war ich noch kurz mit im Unterricht und wir haben über Unterschiede in Deutschland und Kolumbien geredet. Besonders interessant fanden die Schüler, warum ich zurückkommen wollte.

 

Nach der Schule bin ich zu Frieda nachhause und habe ihre Gastfamilie wiedergesehen. Um 11 Uhr bin ich dann mit Silvia ins Zentrum, wo wir uns später noch mit Frieda getroffen haben. Uns ist aufgefallen, dass wir in einem Jahr nicht ein touristisches Foto am Plaza geschossen haben! Das mussten wir natürlich nachholen.

 

Das erste Mittagessen war für mich sehr impresionante! Ich habe gestaunt, wieviel ich damals gegessen habe und konnte die Riesenportion nicht komplett essen! In den drei Wochen habe ich mich wirklich bemüht nicht unhöflich zu sein, aber ich habe es fast nie geschafft aufzuessen. Meistens wurde das aber akzeptiert. Nur Frieda ist nicht so gut dabei weggekommen. Als sie über das Wochenende auf dem campo (Land) war, wurde ihr gesagt, dass es sich nicht gehört das Essen nicht aufzuessen. Wofür wird denn sonst gekocht?!

 

Frieda und ich waren in Paipa in den termales (Schwimmmbad) und haben uns von dem deutschen Uni- und Arbeitsstress erholt. Dabei haben wir gleich wieder gemerkt, wie leicht es ist neue Menschen kennenzulernen.

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termales de Paipa

In meiner Grundschule war ich in der ersten Woche auch und viele Kinder sind kreischend losgerannt, als sie mich gesehen haben. Die Lehrer haben sich gefreut, dass ich nach so kurzer Zeit wieder da bin, aber waren ganz erstaunt, dass ich nur drei Wochen bleiben wüde und nicht wieder anfing dort zu arbeiten.
Ein sehr schöner Moment in der Grundschule war, als ein Mädchen angefangen hat, ein englisches Lied zu singen, was ich der Klasse vor über einem Jahr beigebracht hatte. Ich habe Noah gefragt, ob er es mit den Schülern wiederholt hat, aber das war nicht der Fall. Das hat mir gezeigt, dass meine Arbeit an den Schulen wirklich etwas Kleines bewirkt hat, denn das Mädchen konnte das Lied noch perfekt singen und erinnerte sich dran 🙂

Einen weiteren perfekten Moment hatte ich mich Frieda und einigen kolumbianischen Freunden. An einem Abend saßen wir auf dem Dachbalkon eines Freundes am Rand von Tunja und hatten einen wunderschönen Ausblick über die Stadt. Es war dunkel und wir haben die Lichter der Stadt gesehen und nebenbei typisch aguardiente getrunken und über Gott und die Welt geredet.

 

Am ersten Wochenende haben wir den Geburtstag von Luca gefeiert (Freiwillige, die dieses Jahr bei meinen Nachbarn wohnt) und so habe ich die neuen Freiwilligen ein bisschen besser kennengelernt, nachdem wir uns schon bei einer reunión der fundación getroffen hatten.
Am nächsten Tag bin ich mit meinen Nachbarn nach Raquira und dann nach Chiquinquira, wo wir die prima von meinem Nachbarn besuchten. Ich habe über sie schon in einem älteren Blogbeitrag geschrieben und wollte sie unbedingt während meiner Reise sehen, weil sie so eine tolle Person ist! In Raquira habe ich einige Souvenirs gekauft (unter anderem auch den heißbegehrten Hocker für meine Eltern 😀 ). In Chiquinquira war dann ziemlich was los, weil an dem Tag tausende motos durch die Stadt gezogen sind. Das war sehr beeindruckend auch wenn das dauerhafte Hupen der Motorräder ziemlich nervig wurde (leider kann ich kein Video einfügen).

 

In der zweiten Woche haben Frieda und ich uns vorgenommen einen weiteren Teil Kolumbiens kennenzulernen. Ich habe wieder eine völlig neue Erfahrung gemacht, denn wir hatten unsere Flüge von Bogotá nach Neiva und von Popayan wieder zurück nach Bogotá (und somit einen zeitlichen Rahmen), aber zwischendrin hatten wir weder eine Unterkunft vorgebucht, noch sonst etwas geplant 😀
Wir hatten jedoch Glück und es ist in Kolumbien (zumindest dort, wo wir waren) sehr einfach noch spontan ein Hostel zu bekommen.

Damit ich bei meinem Reisebericht nicht zu sehr ausschweife, versuche ich hauptsächlich Bilder sprechen zu lassen und mich kurz zu fassen.

Unsere erste Station war die desierto de la tatacoa, eine Wüstenlandschaft ungefähr eineinhalb Stunden von der größeren Stadt Neiva entfernt. Diese Strecke haben wir in einem waghalsigen, offenen Transporter zurückgelegt und konnten so die sich verändernde Landschaft genießen. Der Transporter fuhr direkt zu einem Hostel, in dem wir ohne groß zu überlegen, geblieben sind.

 

Noch am gleichen Tag sind wir eigenfüßig in die Wüste gelaufen und haben dort noch zwei Stunden verbracht. Auf unsere Fragen im Hostel, worauf man achten muss (ja, als Europäer hatte ich die Befürchtung vor Verlaufen, Schlangen und sonstigen exotischen Gefahren), wünschten sie uns einfach viel Spaß.
In den zwei Stunden sind mehr als 600 Fotos entstanden und ich habe mich total in die vielfältige Wüstenlandschaft verliebt! (Frieda und ich haben diesen einzigartigen Ort auch für eine ausführliche Foto-Session genutzt 😀 )

 

Am nächsten Tag sind wir noch in den grauen Teil der Wüste, der allerdings 10 km entfernt war. Wir haben vom Hostel eine kleine Tour mit Transport angeboten bekommen. Unser Guide ist mit moto gefahren und da habe ich die Gelegenheit ergriffen und mich mit hinten raufgesetzt, weil ich schon immer mal Motorrad fahren wollte. Später hat er mich sogar selber fahren lassen. Auf dem moto durch die Wüstenlandschaft düsen ist ein weiterer Punkt, den ich auf meine Bucket-Liste gesetzt habe.
Der graue Teil der Wüste ist meiner Meinung nach nicht so impresionante, wie der rote, aber hier gibt es sehr kuriose Gesteinsformatierungen und -gestalten.

 

Nach den zwei Wüstentagen, die ich sehr genossen habe, auch wenn wir von Mücken zerstochen waren, ging es mit dem Bus von Neiva weiter nach San Agustín, wo wir uns den archäologischen Park (UNESCO-Weltkulturerbe) mit mehreren Hunderten Stein- und Felsenfiguren ansehen wollten.
Den Park fanden wir letztendlich nicht so spektakulär, aber wie das so manchmal in Kolumbien ist, hatten wir spontan doch noch ein Highlight. In dem Park war eine Spezialtruppe der policía unterwegs und wir haben Fotos mit ihnen gemacht.
ACHTUNG! Das sieht ziemlich bedrohlich aus und während ich das Foto einige Tage als WhatsApp-Profilbild hatte, haben mich mehrere Leute aus Deutschland gefragt, ob alles in Ordnung ist bei mir.

 

Die Polizisten waren auch ganz begeistert von uns und es wurden mehrere Selfiekombinationen gestartet, weil jeder ein individuelles Foto mit den monas (Blonden) wollte. Die zwei Polizisten, die man auf dem oberen Bild sieht, haben uns abends zum Bier trinken eingeladen und wir hatten einen lustigen Abend.

Weiter ging es nach Popayán, die „Weiße Stadt“ genannt.
Die Busfahrt dorthin (ca. vier Stunden) war eine ziemliche Grenzerfahrung. Ich hatte schon im Reiseführer gelesen, dass die Fahrt gefährlich sein kann, weil die Zone früher von der guerrilla besetzt war und Busse nachts öfter überfallen wurden. Deshalb sind wir extra tagsüber gefahren. Das ändert nichts an dem schrecklichen Weg, den wir zurücklegen mussten! Vier Stunden durchgängig (!) wurden wir auf den Wegen, die man nicht mal als Straße bezeichnen kann, in unseren Bussitzen hin- und hergeworfen. Anfangs fanden wir das ganz witzig, aber als wir feststellten, dass das nicht aufhörte und man nicht einmal einen Schluck Wasser trinken konnte, wollten wir einfach nur noch, dass es vorbei ist. Erschöpft und mit einigen blauen Flecken sind wir in Popayán angekommen und haben die Stadt erkundet.
Von der Größe her ist die Stadt vergleichbar mit Tunja, nur noch schöner:

 

Frieda und ich haben uns dann das Ziel gesetzt, in jeder neuen Stadt ein Selfie mit Polizisten zu machen 😀

Nach Popayán sind wir weiter nach Bogotá, um da das Wochenende zu verbringen. Highlight war das Feiern gehen mit unseren Mitfreiwilligen Laura und Karla, die zur gleichen Zeit in Kolumbien waren. Wir haben eine witzige Nacht im größten Schwulenclub Lateinamerikas, dem „Theatron“, verbracht 😀 Es war sehr schön die beiden nach so langer Zeit wiederzusehen 🙂

 

Den Sonntag haben Frieda, Jaime (Friedas Freund, der mit war) und ich mit Shoppen, einem gemeinsamen peruanischem Essen mit Jaimes Bruder und dem Museo Botereo verbracht. In das Museum wollte ich schon damals mit meiner Familie, aber es war leider an dem Tag geschlossen.
Das Museum beherbergt zahlreiche Werke des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero, der für seine Werke mit üppigen Figuren bekannt ist, aber auch von vielen anderen Künstlern, wie Salvador Dalí oder Max Ernst. Sehr empfehlenswert!

Nach der ereignisreichen Woche waren wir sehr froh wieder in Tunja zu sein und noch eine Woche Zeit mit unseren Lieben zu haben.
Leider bin ich Sonntagnacht, als wir ankamen sehr krank geworden. Ich war mit meinen Nachbarn später noch beim Arzt und ich hatte mir wohl einen üblen Virus zugezogen und lag fast die gesamte letzte Woche im Bett und habe mich praktisch von Kohletabletten ernährt. Das war sehr schade, denn während Frieda viel mit Freunden unternehmen konnte, lag ich im Bett. Immerhin konnte ich so viel Zeit mit meiner Familie und den Nachbarn verbringen und alle haben sich total lieb um mich gekümmert, was mir mal wieder gezeigt hat, was für besondere Menschen ich in Kolumbien habe!

Der Donnerstag war noch ein besonderer Tag an dem ich ein kleines Projekt in der Grundschule mithilfe von Martin, Natalia, Frieda und Noah durchgeführt habe. Dazu kommt nochmal ein extra Beitrag, weil ich merke wie lang dieser ist und ich dem tollen Projekt extra Platz geben möchte.

Das letzte Wochenende haben wir in Tunja verbracht und als es mir besser ging, haben wir uns noch mit Freunden getroffen und waren nochmal feiern. Meine ganze kolumbianische Familie ist zum Essen gekommen, um mich zu sehen (auch wenn ich leider nichts von dem leckeren Essen essen konnte). Übrigens hatte ich zwei Kilogramm Schokolade mit, die ich an alle möglichen Leute verschenkt habe. Schon merkwürdig, dass Kolumbien, eines der Länder mit dem größten Kakaobohnenexport, nicht so leckere Schokolade produziert, wie Deutschland.
Mein Gastvater hatte sich noch gewünscht traditionelle Fotos mit mir zu machen und so sind die folgenden entstanden, die eine sehr schöne Erinnerung sind.
Meine profe ist extra am vorletzten Tag zu mir ins barrio gefahren, um mich mit ihrer Familie noch einmal zu sehen, was mir sehr viel bedeutet hat.

 

Ich habe die Zeit sehr genossen und bin so unglaublich glücklich, was für ein besonderer Ort Tunja mit meinen lieben Familien und Freunden für mich geworden ist.
Ein bisschen haben sich die drei Wochen wie eine „Detoxkur“ angefühlt. Die schlechten, „deutschen“ Gedanken sind raus und ich habe wieder das kolumbianische Leben genossen und gesehen, wie leicht es ist eine schöne Zeit zu haben. Leider verging die Zeit viel zu schnell, aber ich habe wirklich jeden Moment genossen.
Kolumbien wird immer ein ganz besonderer Ort für mich sein. Deshalb habe ich beim Abschied wieder wie ein Schlosshund geheult 😀
Jetzt fehlen aber auch nur noch fünf Wochen, bis ich wieder für kurze Zeit dort bin 🙂

Dieser Beitrag ist wirklich sehr lang geworden und trotzdem fehlen so viele Dinge, über die ich berichten wollte! Aber somit habt ihr einen Einblick in meinen schönen Urlaub bekommen.

Weisheit des Tages: Kolumbien mit seinen einzigartigen Landschaften und den lieben Menschen, die ich kennenlernen durfte, schafft es immer wieder mich zu beeindrucken und glücklich fühlen zu lassen!

Es geht weiter!

– 109 Tage nach der Ankunft –

– 119 Tage bis zum Abflug –

Ich fühle mich momentan wie der glücklichste Mensch auf Erden! Bestimmt könnt ihr euch schon vorstellen, worum es geht 😀

Gestern habe ich mit Frieda Flüge gebucht!
Das Julumbien-Abenteuer geht weiter!

Ja, wir haben uns entschieden zweieinhalb  Wochen in den ersten Semesterferien in Kolumbien zu verbringen. Diese Idee ist bei einem gemütlichen Weinabend entstanden, als wir nostalgisch über unsere Erlebnisse geredet haben und uns dachten: „warum eigentlich nicht?“. Zwei Wochen später haben wir dann auch schon den Flug gebucht! So einfach ist das mit der kolumbianischen Spontanität. Weinideen sind definitiv etwas Positives!

Ich habe angefangen zu weinen, als ich auf „buchen“ geklickt habe und die Freudentränen haben nicht mehr aufgehört. Das letzte Mal habe ich das erlebt, als meine Familie mich in Kolumbien besucht hatte.

Und jetzt fast genau ein Jahr nachdem mich meine Familie besuchte, werde ich zurückfliegen. Am 14. März geht es los!!!

Gleich nachdem der Flug gebucht war, wollte ich natürlich meinen Familien drüben Bescheid sagen und alle hatten sich auf meine Bitte bei Osmany zum gemeinsamen Skypen versammelt. Als ich es ausgesprochen hatte, fing meine Gastmama an zu schreien und rumzuhüpfen vor Freude 😀 Alle waren begeistert und es wurde sofort überlegt, wer mich vom Flughafen abholen würde.
Allerdings meinten sie, dass jetzt ein schwieriger Konflikt starten würde, da nicht klar ist, bei wem ich unterkommen werde. Beide Parteien fingen an zu argumentieren, warum ich bei ihnen schlafen sollte 😀
Ich hatte den gesamten Tag ein Dauergrinsen im Gesicht, ab und zu mit einigen Tränchen, wenn ich daran denke, dass ich wirklich in mein anderes Zuhause fliegen werde!

Frieda und ich haben schon Pläne gemacht, was wir alles unternehmen werden, die Personen, die wir besuchen wollen und wo es überall hingehen soll.
Die Idee ist ja, dass wir so viel Zeit wie möglich mit unseren Lieben verbringen und deshalb möchten wir „nur“ einige Tage nach Medellín, da ich in Medellín nur 3 Tage war und meiner Meinung nach noch nicht genug erkunden konnte, und kleinere Ausflüge in Boyacá starten.

Eine weitere tolle Nachricht ist, dass Laura und Karla (unsere Mitfreiwilligen aus Cucaita) auch im gleichen Zeitraum dort sind! Wir sind schon am Planen, sodass wir gemeinsam nach Medellín reisen können.

Ihr merkt, ich bin überglücklich! Es ist anders, wenn man sagt, dass man auf jeden Fall wiederkommt und dann ein tatsächliches Datum hat, auf das man sich freuen kann!

Weisheit des Tages: Es ist als hätte ich einen inneren Kompass und Kolumbien ist mein Norden! Ich MUSS einfach wieder zurückfliegen und kann es kaum erwarten 🙂