Kolumbianisches Weihnachtsfest

– 69 Tage nach der Ankunft –

Hallo, meine Lieben.
Jetzt ist Weihnachten schon für mich vorbei. In Kolumbien wird Weihnachten nur am 24. Dezember abends gefeiert. Am 25. schläft man hauptsächlich und gammelt im Bett, so wie ich heute 😀

Gestern war tagsüber auch gar nichts los. Meine Gastschwester war wie immer arbeiten, meine Gastmutter stand den ganzen Tag in der Küche und hat gekocht und mein Gastvater und -bruder haben gechillt.
Ich habe lange mit meiner Familie in Deutschland geskypt, weil meine ganze Familie zusammen war und so habe ich mich ein bisschen gefühlt, als wäre ich dabei gewesen. Außerdem habe ich die restlichen Geschenke eingepackt.

Um 19:00 wollten wir eigentlich losfahren zu meiner Gasttante. Tatsächlich sind wir dann erst 21:20 los. Ich bin im Auto meiner älteren Gastschwester und ihrem Mann mitgefahren, die ich einen Abend vorher kennengelernt habe. Nach kolumbianischer Art saßen wir auf der Rückbank zu Fünft und nicht wie vorgesehen zu Dritt. Das ganze Auto war voll mit Geschenken. Diese wurden, als wir bei meiner Gasttante und ihrer Familie angekommen sind, unter den Baum gelegt. Dort lagen uuuunheimlich viele Geschenke.

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Meine beiden Gastgeschwister und ich

Wir waren insgesamt 20 Leute (meine Gasteltern-/geschwister, Gastonkel + Frau + 2 Söhne, Gasttante + Mann + 2 Töchter + Hausfrau , ältere Gastschwester + Mann + 2 Söhne, Gastoma) und im kleinen Wohnzimmer wurde es ganz schön eng. Wir hatten auch nicht alle Platz am Essenstisch und deshalb habe ich mit meinen Gastcousinen, die ungefähr im gleichen Alter sind und meiner Gastschwester zusammen gegessen.
Im Gegensatz zu Deutschland, gibt es kein traditionelles Essen zu Weihnachten. Natürlich ist das in Deutschland von Familie zu Familie auch unterschiedlich. Bei mir gibt es zum Beispiel immer Eisbein (nicht für mich 😀 ). Aber es gibt schon typische Weihnachtsgerichte.
Hier gab es Reis mit Rosinen, einen Obstsalat mit Marshmallows, für mich ein Ei uuuuund Kartoffelsalat, der sehr lecker war.

Nach dem Essen saßen wir noch zusammen und haben bis 0:00 gewartet. Was dann passiert ist, hat mich eher an Silvester erinnernt. Alle haben sich im engen Wohnzimmer getroffen, jeder umarmt jeden und man wünscht sich feliz navidad und Alles Gute. Dann haben wir uns auf die Couch gesetzt, wer keinen Platz hatte, stand im Flur.
Für allgemeine Erheiterung war erstmal gesorgt, als meine Gastschwester in den Weihnachtsbaum gefallen ist und die Lichterkette daraufhin ausgegangen ist 😀 Es war wirklich seeeehr eng im Wohnzimmer 😀

Meine Gastschwester und -cousine haben dann die Geschenke verteilt. Die Bescherung hat insgesamt fast eine Stunde gedauert. Auf jedem Geschenk ist ein Zettel, wo drauf steht, von wem für wen das Geschenk ist. Meine Familie hat sich auch einige Späße erlaubt und beispielsweise para la gordita (für die Dicke) oder para la fea (für die Hässliche) geschrieben und so wurde auch viel gelacht.
Bei so gut wie jedem Geschenk wurde gegröllt und gejubelt und wenn jemand Kleidung bekommen hat, haben alle im Chor gerufen: Anziehen! Es war auf jeden Fall ordentlich Stimmung.
Man bekommt auch nicht viele Geschenke. Von jeder Person/Familie bekommt man ein Geschenk. Wenn man dieses bekommt, steht man auf und quetscht sich zum Schenker durch, um sich zu bedanken. Am Ende war das ganz schön schwierig, denn überall waren Geschenke, Geschenkpapier und Menschen 😀 Und man musste mindestens fünfmal aufstehen.
Ich hätte mich gar nicht getraut zu erzählen, was man alles in Deutschland bekommt. Denn im Vergleich ist das seeehr viel und da habe ich mich gefragt, ob das wirklich nötig ist.

Ich habe mich sehr gefreut, wie herzlich mich alle aufgenommen haben und mich als Familienmitglied gesehen haben. Und ich habe auch tolle Geschenke bekommen. Was glaube ich der Running-Gag wird, sind Kühe 😀 Vor einiger Zeit habe ich von meiner Nachbarin eine Kuscheltierkuh geschenkt bekommen, weil ich meinte, dass ich Kühe gerne mag. Von meinen Nachbarn habe ich zu Weihnachten (was mit das coolste Geschenk war!!) einen Kuh-Pyjama bekommen! Und zwar einen richtig Kolumbianischen. Hier haben zum Schlafen viele Menschen richtig kuschelige, warme Pyjamas und ich wollte auch einen haben und jetzt habe ich sogar einen Kuuuuh-Pyjama 🙂
Jedenfalls habe ich meiner Gastschwester auch eine Kuscheltierkuh geschenkt, weil sie immer so „neidisch“ auf meine war 😀 und von meiner Gasttante und ihrer Familie habe ich nochmal eine Kuh geschenkt bekommen von einer sehr guten kolumbianischen Marke 😀 Bestimmt denkt die Familie, dass ich ein bisschen verrückt bin, weil ich Kühe so gerne habe, aber ich hab nur einmal gesagt, dass ich Kühe mag 😀

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Alle mit neuen Kuscheltieren

Nach der Bescherung gab es noch postre de guanabana y maracuja und wir haben zusammen gesessen und geredet.
Um 2:00 nachts sind wir dann nachhause gefahren und ich war ganz schön müde.

Es war auf jeden Fall ein witziger Abend und ich habe eine sehr nette Gastfamilie mit der es sehr lustig sein kann.

Im Fazit gefällt mir Weihnachten in Deutschland besser, denn hier ist zwar Stimmung und alle freuen sich auf Weihnachten, aber mit Besinnlichkeit hat das nicht viel zu tun. Ich finde es auch ein bisschen schade, dass das tatsächliche Weihnachten nur einige Stunden ist und sehr spät anfängt. Ansonsten ist der 24. Dezember ein ganz normaler Tag. Ich habe zum Beispiel seit Jahren die immer gleichen Traditionen mit meiner Familie am 24. Baum schmücken und ein Märchen nebenbei gucken, fettes Eisbeinmittagessen, Mittagspause, Spaziergang, Bescherung und dann sitzen wir bis wir ins Bett gehen zusammen und die Geschenke werden ausprobiert (z.B. einen geschenkten Film gucken). So ungefähr ist unser Ablauf.
Ich bin aber sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte ein Weihnachten auf eine völlig neue Art kennenzulernen und somit mehr von der kolumbianischen Kultur erfahren konnte.

Weisheit des Tages: Meine Gastfamilie hat mir gesagt, und das denke ich auch, das Wichtigste an Weihnachten ist mit der Familie zusammen zu sein.

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Vorweihnachtszeit in Kolumbien

– 68 Tage nach der Ankunft –

Heute ist Weihnachten und deshalb wünsche ich euch allen da draußen: FELIZ NAVIDAD!

Tja, wie fühlt sich das an, wenn Weihnachten ist und man über 8000 Kilometer von der Familie entfernt ist?
Ich bin schon ein wenig traurig, aber nicht so traurig, dass ich anfangen würde zu weinen oder sofort nach Deutschland möchte. Man wäre einfach gerne dort, wenn man weiß, dass zuhause die Familie sitzt und leckeres, deutsches Weihnachtsessen isst. Noch schwerer fällt es, wenn zuhause kurz vor Weihnachten etwas Schlimmes passiert… 😦
Für mich ist dieses Jahr also nicht wirklich Weihnachten. Ich habe festgestellt, dass mir der Dezember in Deutschland viel besser gefällt. Wir haben so viele Traditionen, die die Weihnachtsstimmung erzeugen; weihnachtsmarkt, Adventskranz, Adventskalender, Nikolaus, …
Natürlich gibt es hier auch einige Traditionen. Beispielsweise die novena. Leider gibt es diese Tradition nicht in meiner Gastfamilie. Neun Tage vor Weihnachten trifft man sich jeden Tag bei jemand Anderem der Familie im Haus und isst zusammen. Dabei wird viel vino und aguardiente getrunken und so kann es zu einer sehr lustigen Stimmung kommen 😀 Ich habe nur die Erzählungen von anderen Freiwilligen gehört.

In Tunja war seit dem 16. Dezember jeden Abend etwas los auf dem Plaza Bolivar. Jeden Abend gab es Konzerte mit unterschiedlicher Musik und bis auf einen Abend, war ich immer da. Die Konzerte werde ich wirklich ein bisschen vermissen, denn das hat immer viel Spaß gemacht.
Dabei trifft man sich mit Freunden, trinkt cerveza oder (wie soll es auch anders sein) aguardiente und tanzt zu der Musik. Die Konzerte konnte man kostenlos besuchen und an manchen Tagen war es sehr voll, zum Beispiel am letzten Abend: Salsa. Man kann sich auch ein VIP-Ticket kaufen für 20.000 Pesos und dann steht man ganz vorne in einem extra Bereich.
Einen Tag hatten wir VIP-Tickets. Meine Gastschwester war auch da und meine Gasteltern haben vorher ein ernstes Gespräch mit mir geführt, dass sie keinen Schluck Alkohol trinken darf. Zum Glück war sie sehr vernünftig.
An dem Abend haben wir Manuel Medrano gesehen, ein kolumbianischer Sänger, der hier sehr bekannt und beliebt ist.
Das ist zum Beispiel ein wunderschönes Lied von ihm:

Um in Weihnachtsstimmung zu kommen, schmücken die Kolumbianer sehr gerne. Alles blinkt und glitzert in verschiedenen Farben und es gibt viel kitschigen und grellen Weihnachtsschmuck. Aber das gefällt den Kolumbianern und ich finde es auch schön. Ich habe mir sogar von meiner Nachbarin kitschige Weihnachtsnägel machen lassen 😀

Ansonsten gibt es kolumbianische Weihnachtsmusik, aber so oft hört man die nicht. In meiner Gastfamilie zum Beispiel haben wir keine gehört.
So etwas wie Nikolaus gibt es hier nicht. Was auch besonders ist, sind die luzes, die man überall betrachten kann. Es gibt ganz viele Lichterfiguren und man kann auch Touren machen durch verschiedene Dörfer und sich die Lichterfiguren ansehen. Das habe ich leider nicht gemacht.

Jetzt ist es gleich 19:00 und wir fahren zu meiner Gasttante, um dort Weihnachten zu verbringen. Ich berichte morgen vom eigentlichen Weihnachtstag 🙂

Weisheit des Tages: Dezember in Deutschland lerne ich hier sehr zu schätzen! Fröhliche Weihnachten 🙂

Cali, die Hauptstadt des Salsa

– 62 Tage nach der Ankunft –

Heute berichte ich euch von meinem ersten richtigen Urlaub in Kolumbien. Wie manche schon wissen, war ich für eine Woche in Cali mit Pauline, Patricia und Ronja.

Am 1. Dezember um 11:00 abends bin ich mit Patricia und Ronja vom Terminal in Tunja aus nach Bogotá gefahren und habe die kälteste Busfahrt meines Lebens erfahren!

Mitten in der Nacht sind wir in Bogotá angekommen und haben uns am Flughafen mit Pauline getroffen, die mit ihrer Gastfamilie schon einige Tage vorher in Bogotá war.
Um ca. 4:00 Uhr sind wir dann für eine knappe Stunde nach Cali geflogen und ich habe noch nie so tief geschlafen während eines Fluges 😀

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Nach einer kurzen Pause in unserem Hostel, sind wir dann ins centro gegangen. Mit unserem Hostel, welches Pauline ausgesucht hat, waren wir sehr zufrieden! Wir waren im barrio (Stadtviertel) San Antonio und das war ein sehr schönes Viertel. Es gab viele Restaurants, Bars und einen Park und es war ein sehr alternatives Viertel. Beispielsweise haben wir einmal, während wir auf der Terasse unseres Hostels saßen und tinto getrunken haben, eine Demo gegen Hundekacke erlebt 😀

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Zweimal waren wir in einem vegetarischen Restaurant und dort gab es einfach alles vegetarisch: Sushi, Burger, sogar Hot Dogs. In einer Woche habe ich viermal Falafel gegessen. Wer mich kennt, weiß, dass ich Falafel liebe und ich war soo glücklich endlich mal wieder welche zu essen, auch wenn sie nicht so lecker waren, wie zuhause 😀

Als wir im centro waren, war ich schon ein wenig geschockt. Cali ist die drittgrößte Stadt Kolumbiens mit 2,5 Millionen Einwohner. Pauline, Ronja und ich fallen mit unseren hellen Augen und Haaren ein wenig auf in Kolumbien. Aber noch nie wurde ich in meinem Leben so angestarrt 😮 Teilweise war das wirklich unangenehm und man kam sich vor, wie ein Alien.
In Tunja fühle ich mich wirklich sicherer. Natürlich gucken die Menschen dort manchmal auch, aber ich dachte in so einer großen Stadt, wie Cali gibt es schon mehr Tourismus und die Kolumbianer sind Touristen ein wenig gewöhnt.

Hier ein paar Fotos vom centro:

Im centro gab es auch viele Läden und Stände. Dort waren aber unheimlich viele Menschen und man konnte es kaum genießen dort durchzulaufen.

Am nächsten Tag waren wir im Zoo von Cali.
Auf unserem einstündigen Fußweg sind wir am parque de gato (Katzenpark) vorbeikommen. Erst konnten wir uns darunter nicht wirklich etwas vorstellen, aber es ist einfach ein kleiner Weg, den man neben dem río läuft mit Katzenfiguren.

Die Calinen sind sehr stolz auf ihren Zoo, denn so etwas gibt es nicht in jeder Stadt. Der hat uns wirklich gut gefallen, auch wenn es nicht sooo besonders ist. Es ist halt ein normaler Zoo mit Tieren; affen, Flamingos, Erdmännchen, Otter…
Was mir aber gut gefällt, dass die Tiere unter natürlichen Bedingungen leben und nicht so wie Eisbären, Giraffen und Elefanten im Berliner Zoo bei 20 Grad Celsius, was entweder zu kalt oder zu warm ist.
Giraffen und Elefanten gab es übrigens nicht. Vielleicht, weil der Import von Afrika schwieriger ist.

Am Freitag haben wir einen Ausflug zu einem Wasserfall gemacht. Das war eine Tour mit einer Frau als Guide und einer anderen Frau aus England. Zuerst sind wir hingewandert und dann konnten wir zwei Stunden lang gegen den Wasserstrom laufen bzw. klettern und haben zum Glück auch Wasserschuhe bekommen.

Ronja ging es die ganze Woche in Cali nicht so gut und deshalb ist sie nicht mitgeklettert.
Einmal haben Pauline, Patricia und ich uns alle drei hintereinander auf den glatten Steinen hingepackt und es gab einige Schrammen. Aber es war ein lustiges Erlebnis.

Ansonsten haben wir uns noch einige Dinge angeguckt und sind durch die Stadt gelaufen. Beispielsweise haben wir cholado probiert (Frucht-/Eisbecher mit Slushieis unten und arequipe y salsa de mora).
Gleich neben unserem Hostel gab es einen großen Park, wo immer viel los war. Dort hatten wir einen schönen Überblick über die Skyline von Cali:

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Ein wichtiger Teil, der zu Cali gehört, ist das Feierngehen.
Cali ist die Hauptstadt des Salsa und das mussten wir natürlich testen!

Jeden Donnerstag gibt es in der Nähe von unserem Hostel auf einem kleinen plaza eine Veranstaltung, bei der sich viele Kolumbianer, aber auch Ausländer treffen, um Salsa zu tanzen. Ich habe leider keine Fotos, denn bei dem Gedrängel wollten wir nicht unsere Handys mitnehmen.
In diesem Moment, als ich die Menschen auf dem Platz sich so frei bewegen gesehen habe, habe ich wieder gemerkt, wie unterschiedlich die Mentalität in Kolumbien und Deutschland ist. Ich denke, dass viele Menschen in Deutschland sich nicht so frei bewegen würden. Ich persönlich bin auch zu verklemmt, um einfach loszutanzen, aber das ist hier wirklich bei vielen anders. Es interessiert niemanden, wie man beim Tanzen aussieht, denn es geht einfach darum Spaß zu haben.

An dem Abend haben wir zwei deutsche Freiwillige kennengelernt, die in Cali arbeiten mit einer anderen deutschen Organisation, aber auch dem Träger weltwärts. Mal wieder haben wir festgestellt, wie viel Glück und auch Freizeit wir mit Volunta und vor allem 180 R&B haben!
Mit den beiden sind Pauline und ich am Freitag feiern gegangen. Ich habe festgestellt, dass ich nicht besonders gut Salsa tanzen kann. Den Grundschritt kriege ich noch hin, aber wenn der Tanzpartner anfängt, mich in Drehungen hin- und herzuwerfen, dann hört es bei mir auf 😀
Was ich merkwürdig fand (nicht negativ gemeint, sondern einfach anders), dass die Tanzfläche bzw. der Club sehr klein war und davor auf einem Platz ca. 100 Leute saßen und cerveza o aguardiente getrunken oder sich unterhalten haben. Getanzt hat man nur, wenn man von jemandem dazu aufgefordert wurde. So kam es, dass ich, aber überwiegend Pauline mit dem Besitzer des Clubs Salsa getanzt hat, der schon mindestens 75 Jahre alt war 😀 Also sehr witzig.

Wenn man in Tunja feiern geht (es gibt ungefähr vier verschiedene Clubs, wo man hingehen kann), werden immer verschiedene Sachen gespielt, aber hauptsächlich reggaeton. Das ist eine Musikrichtung aus Lateinamerika, die sich langsam auch in Deutschland durchsetzt. Dazu kann man freier tanzen.
Dort, wo wir waren, hat man nur, wirklich NUR, Salsa getanzt und damit habe ich mich ein wenig schwer getan 😀
Am Montag waren wir in einem anderen Club und dort hat es dann auch schon ein bisschen besser geklappt, aber ich denke nicht, dass Salsa mal meine Leidenschaft wird.

Cali ist also eine schöne Stadt in Kolumbien, die mir von der Atmosphäre her sehr gut gefallen hat.

Weisheit des Tages: Kolumbianer tanzen besser, als die meisten Deutschen :p

Zwischenseminar in Moniquirá

– 54 Tage nach der Ankunft –

Hallo, ihr Lieben!

Nach einer Woche Urlaub in Cali melde ich mich zurück aus Tunja. Ich bin am Dienstag mit Pauline gut angekommen und werde in den kommenden Tagen von unseren Erlebnissen und Eindrücken berichten.

Heute erzähle ich euch vom Zwischenseminar, dass wir vorletzte Woche in Moniquirá, ca. eineinhalb Stunden von Tunja entfernt, hatten.

Das Zwischenseminar ging von Montag bis Donnerstag. Wir dachten schon, dass es super anfängt, als wir über eine Stunde auf den Bus warten mussten.
Moniquirá liegt ca. ein Kilometer tiefer als Tunja und dementsprechend angenehm ist die Temperatur. Leider regnet es ab und zu in Moniquirá und der Regen ist auch nicht an uns vorbeigegangen.

Wir waren in einem Hotel untergebracht, das zwei Poolanlagen hatte, die wir in unserer Freizeit gerne genutzt haben.

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Regenbogen mit Poolanlage
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Aussicht vom Balkon

Als wir am ersten Tag alle im Seminarraum versammelt waren, mussten wir, wie auch beim Vorbereitungsseminar, ein lustiges Spiel spielen, zur Freude aller Freiwilligen…

Martin und Natalia hatten auf der Hotelanlage Zettel verteilt und jeder musste seinen finden. Selbstverständlich hat es genau dann angefangen zu regnen.
Als wir alle zusammengelegt hatten, kam Folgendes bei raus:

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Am ersten Abend haben wir nach Martins Idee „Besenfußball“ gespielt. Es gibt zwei Teams die sich gegenüber auf Stühlen sitzen und jeder Spieler hat eine Nummer. Wenn diese gerufen wird, muss er versuchen mit einem Besenstil einen Putzlappen der in der Mitte liegt, vor seinem Gegner in das Tor zu transportieren. Anfangs waren wir nicht sehr begeistert, aber am Ende hatten echt alle Spaß.

Des Weiteren sollten wir auf einen Zettel etwas schreiben, was eine andere Person machen sollte und somit konnte man sich für andere kleine Gemeinheiten ausdenken oder sich selber etwas Gutes tun, indem man sich von jemand anderem etwas wünscht.
Ich habe gelernt, dass das Sprichwort „Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu“ sich bewahrheitet 😀
Für Martin habe ich mir ausgedacht, dass er mit Kleidung in den Pool springen sollte. Als Martin dann meinte, dass jeder das machen muss, was auf seinem eigenen Zettel steht, bin ich kurzerhand selber mit Klamotten im Pool gelandet 😀 Wenigstens war das Wasser angenehm warm.

Zuhause sollte jeder von uns einen Vortrag zu einem vorgegebenen Thema auf Spanisch vorbereiten und diese Präsentationen haben wir in den folgenden Tagen uns angehört.

Mein Thema war „Transkulturalität nach Wolfgang Welsch“, ein sehr spannendes Thema wie ich finde. Es geht darum, wie sich Kulturen miteinander vermischen, wenn sie aufeinandertreffen. Durch diesen interkulturellen Austausch ensteht eine universelle Globalkultur. Andere Themen waren der „Kolonialismus in Kolumbien“, „Berühmtheiten aus Kolumbien“ oder auch das Thema „Umgang mit homosexuellen Paaren in Kolumbien“.

Auch wenn die meisten Themen spannend waren, ist es ein wenig anstrengend 16 Vorträge auf Spanisch in zwei Tagen zu hören.

Am letzten Tag hat Martin das Konzept der fundación ein wenig genauer vorgestellt. Wir haben wieder über den Sinn eines Freiwilligendienstes philosophiert und er hat einige Beispiele misslungener Entwicklungsarbeit genannt. Beispielsweise, wie zahlreiche Kartoffelarten in Bolivien nahezu ausgerottet wurden, weil Entwicklungshelfer den Bolivianern gezeigt haben, wie man mit gleichem Aufwand eine einzige Kartoffelsorte anbauen kann, die dafür größer ist.

Das zeigt, dass viele Menschen aus der westlichen „entwickelten“ Welt mit der Einstellung in „unterentwickelte“ Länder gehen, dass den Menschen dort geholfen werden muss. Schon die Einteilung in „entwickelte“ und „unterentwickelte“ ist problematisch und wurde von den westlichen Ländern vorgenommen. Diese haben eine bestimmte Vorstellung davon, wann ein Land als „entwickelt“ gilt. Auch wenn die Einwohner zufrieden und glücklich sind in ihrem Land, dann leben sie nach „westlichen“ Vorstellungen unter dem Standard.

Ich habe meine Einstellung zum Freiwilligendienst hier in Kolumbien schon sehr geändert. Anfangs dachte ich wirklich, dass ich die Welt ein bisschen verbessern kann. Was mich nochmal besonders nachdenken ließ, war Martins Beispiel. Wenn man einen Freiwilligendienst in Deutschland absolviert, geht man ja auch nicht davon aus, dass man somit etwas in Deutschland verändert bzw. verbessert. In der jeweilligen Einsatzstelle kann man natürlich das Leben einzelner Personen berühren und damit etwas Kleines bewirken.
Ich hoffe, dass man versteht, was ich damit sagen möchte.

Außerdem können Menschen aus der „entwickelten“ Welt sich auch Einiges von den „armen“ Menschen abgucken, beispielsweise wie man einen freundlichen Umgang mit Mitmenschen sich aneignet. Wenn ich Kolumbianern erzähle, dass viele in Deutschland nicht mal ihre Nachbarn kennen, dann sind einige ganz schön entsetzt. Da sieht man, dass die „Industrieländer“ auch nicht perfekt sind.

Nach der vielen Denkarbeit, haben wir Mittwochabend unseren Abschlussabend organisiert. Da wir uns alle in der großen Runde das letzte Mal vor Weihnachten sehen würden, veranstalteten wir eine Weihnachtsfeier. In unserem Hotel war schon alles weihnachtlich geschmückt, aber bei 25 Grad Celsius kann bei mir einfach keine Weihnachtsstimmung aufkommen. (Jetzt gerade versuche ich auch durch Weihnachtslieder mich ein bisschen mehr auf Weihnachten vorzubereiten :D)
Wir haben trotzdem versucht, das Beste daraus zu machen und haben es sogar geschafft, uns Glühwein zu organisieren 🙂

Der hat wie auf einem deutschen Weihnachtsmarkt geschmeckt 🙂
Nebenbei lagen auf einem Tisch kleine Zettel mit Aufgaben, die man durchführen muss. Ich sollte beispielsweise ein Limbospiel organisieren.

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Durch andere Aufgaben, Karaoke- und Tanzeinlagen wurde es zu einem sehr lustigen Abend.

Für Martin und Natalia hatten wir auch mithilfe Lauras Gastmutter ein kleines Weihnachtsgeschenk. Aber nachdem sie uns am ersten Tag über das Hotelgelände gejagt haben, wollten wir ihnen das Geschenk nicht einfach so überreichen. Am Nachmittag haben wir während andere für die Weihnachtsfeier einkaufen waren, uns kleine Aufgaben für die beiden überlegt. An verschiedenen Orten mussten sie Zettelchen mit den Aufgaben finden und diese durchführen. Dazu gehörte die Hebefigur von „Dirty Dancing“ nachzustellen, einen irischen Tanz tanzen, den Martin übrigens nahezu perfekt beherrscht, ein Bierwetttrinken zwischen den beiden und anderen witzigen Dingen. Natalia hat Martin übrigens eindeutig besiegt beim Wetttrinken 😀

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Dirty Dancing
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Wohlverdientes Geschenk

Zusammenfassend hatten wir also einen witzigen Abend und haben in den Tagen uns mehr mit unserem Einsatzland beschäftigt und mit dem Konzept der fundación.

Weisheit des Tages: ein Freiwilligendienst bringt einem persönlich sehr viel, beispielsweise um Land und Leute kennenzulernen, aber als Freiwilliger hat man nicht viel Einfluss um in einem Jahr viel zu verändern.

Orangen pflücken und Kulturschock in Kolumbien

– 45 Tage nach der Ankunft –

Hallo, meine Lieben!

Jetzt wo die Weihnachtszeit anfängt, fängt bei mir die Reisezeit an und ich schaffe es kaum noch Dinge zu erledigen.

Letzte Woche hatten wir von Montag bis Donnerstag das Zwischenseminar in Moniquira. Ich bin ein bisschen mehr als ein Monat hier und habe schon mein Zwischenseminar 😀
Jedenfalls wird dazu auch noch ein Blogeintrag kommen, wenn ich wieder in Tunja bin.

Von Samstag zu Montag war ich mit meinen Nachbarn in Albania. Das ist das Geburtsdorf meines Nachbars. Ein winzig kleines Dorf, wo kaum etwas los ist (ca. 200 Einwohner) und sich im departamento Santander befindet.

Wie immer sind wir am Samstag sehr früh losgefahren, aber weil ich verschlafen habe (:D) sind wir eine Stunde später um 7:00 gefahren. Mittlerweile scheine ich mir die Pünktlichkeit der Kolumbianer anzueignen 😉

Albania ist vier Stunden von Tunja entfernt, aber wir haben einen kurzen Halt in Chiquinquira gemacht. Dort lebt auch ein Teil der Familie von meinem Nachbarn und wir haben ein kleines Frühstück gegessen.

Je weiter wir gefahren sind, desto kälter und nebeliger war es. Man konnte die weiten Felder vor lauter Nebel gar nicht mehr sehen und die Stimmung war ein bisschen unheimlich.
Auch die Wege waren schwer passierbar und wir sind im Matsch stecken geblieben und alle mussten mithelfen, damit wir das Auto wieder befreien 😀

In Albania habe ich die Eltern meines Nachbarn kennengelernt und eine weitere Schwester, die alle total nett waren.
An dem Tag haben wir nicht mehr viel gemacht, außer essen, reden und ich war mit meiner Nachbarin am Dorfplatz, weil es dort kostenloses Internet gab.

Am nächsten Tag wollten wir zu der finca der Familie gehen. Ich habe mich schon gefreut und dachte, dass wir da ein bisschen entspannen.

Naja… Es hat sich herausgestellt, dass die finca vier Holzplatten aneinandergeklebt waren und die eigentliche Attraktion das riesige Grundstück mit vielen Orangenbäumen war.

Auf dem Weg dorthin konnte ich kaum noch, denn mir wurde erklärt, dass es dort zur Zeit Winter ist, das bedeutet einfach, dass die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist und das beim Wandern sehr unangenehm wird.
In Kolumbien gibt es nur zwei Jahreszeiten und zwar Winter und Sommer. Der Unterschied ist, wie ich finde, nicht sehr gravierend.

Anstatt zu entspannen, haben wir also Orangen gepflückt und so etwas habe ich vorher noch nie gemacht 😀

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Orangenbaum

Meine Nachbarn und die Schwester, die auch da waren, haben sich lange Bambusäste genommen und auf den Baum „eingeschlagen“, bis Orangen runtergefallen sind.
In dem Baum könnt ihr übrigens meine Nachbarin sehen, die versucht möglichst viele Orangen runterzubekommen.

Ich habe dann doch nur beim Einsammeln geholfen und wir hatten zwei Säcke voll Orangen. Natürlich durften wir auch einige Orangen essen und nach der Wanderung war das so erfrischend und tat sehr gut 🙂 Frische Orangen schmecken wirklich sehr gut!

Auf dem Grundstück gab es auch noch yuca welches wir geerntet haben. Das schmeckt nicht nur wie Kartoffel, sondern wird auch genauso geerntet. Es gab auch Bananenpflanzen, aber zur Zeit wachsen an denen nur wenige Bananen.

Außerdem haben sie mir auch Kaffee gezeigt. Die Kaffebohnen sind rot bevor sie verarbeitet werden.

Es war also mal wieder eine spannende Erfahrung, die ich in Deutschland nicht gehabt hätte.

Wir sind dann voll bepackt mit Bananen, yuca und Orangen zurück ins Dorf.
Was mich ein wenig verstört hat, die Schwester hat sich noch schnell einen Hahn geschnappt, den sie kopfüber unter dem Arm geschleppt hat und der hat sich den Geräuschen nach zu urteilen nicht besonders wohl gefühlt 😦 Das fand ich nicht besonders toll, aber ich habe versucht das auszublenden und nicht hinzugucken.
Abends, als wir sie besuchen waren, war er schon entfedert und bratfertig.
Das ist ja auch mehr oder weniger normal und der Kreislauf des Lebens, aber ich möchte sowas lieber nicht mitbekommen.

Am nächsten Tag sind wir dann zu einem Freund gefahren, der eine Avocadofarm hat. Das war wirklich ein Paradies für mich, denn ich liiieeebe aguacates (Avocado) total!
Wir durften ganz viele mitnehmen und hatten dann gefühlte 50 Avocados m Kofferraum. Wenn man sich überlegt, dass eine kleine Avocado in Deutschland fast 3€ kostet und es die hier gibt, wie Äpfel…

Davon habe ich dann auch erstmal eine gegessen und frische Avocado schmeckt auch nochmal viel besser.
Die Aussicht war auch sehr schön, denn rund um uns waren Berge und so weit man gucken konnte, Avocadobäume.

In Kolumbien gibt es mehrere Avocadosorten und die grüne, welche ihr seht, wurde dort am meisten angebaut und ist auch größer, als die, die es in deutschen Supermärkten gibt. Sehr lecker!

Dann sind wir wieder nach Chiquinquira und ich habe ein bisschen die Stadt gesehen, aber werde auf jeden Fall noch einmal wieder kommen, weil wir zu wenig Zeit hatten. Deshalb habe ich auch kaum Bilder gemacht.

Und nun kommen wir zum interessanten Teil, den ich im Titel angekündigt habe: Kulturschock.

Kolumbien hört sich nach einem Land an, in dem man viele Unterschiede bemerken wird, die einen schocken. Ich habe mir auch Armut, Gewalt, Drogen und teilweise arme und traurige Menschen vorgestellt.
Ich kann euch sagen, den einzigen Kulturschock, den ich hier nach mehr als sechs Wochen feststellen kann, ist die Umgangsform der Menschen.

Die meisten Kolumbianer, die ich kennenlernen durfte, nehmen mich wie einen Teil der Familie auf und reden mit mir, als würden sie mich ewig kennen. Viele sind sehr interessiert an meiner Kultur und Deutschland.

Besonders aufgefallen ist es mir wieder dieses Wochenende. Die Mutter von meinem Nachbarn wollte mich gar nicht gehen lassen und hat mir mindestens fünf mal gesagt, dass ich noch einmal für längere Zeit kommen soll. Sie hat mich zum Abschied mehrmals umarmt und auch der Vater hat mich in seine Arme geschlossen.

In Chiquinquira waren wir mit einer Cousine von meinem Nachbarn unterwegs und sie ist eine der fröhlichsten Menschen, die ich kenne. Sie hat sich so gefreut, als sie mit mir alleine durch die Stadt laufen „durfte“ und hat mir gesagt, dass sie sich vorstellt, dass alle aus der Familie etwas mit mir machen möchte.

Was ich hier in Kolumbien erlebe, dafür gibt es kein Wort. Gastfreundschaft, Offenheit und Freundlichkeit ist untertrieben.

Ich werde richtig traurig, wenn ich daran denke, wie das ist, wenn ich wieder in Deutschland bin. In Deutschland kennt man kaum seine eigenen Nachbarn und das ist hier bei den meisten Menschen komplett anders.

Einen anderen Kulturschock habe ich bisher nicht erlebt, aber es fällt extrem auf, wie offen und liebenswürdig Kolumbianer sind.
Ich befürchte immer, dass ich verschlossen und ernst, beziehungsweise nicht so fröhlich rüberkomme, denn ich bin es von der Umgangsform in Deutschland anders gewöhnt.
Ich will damit auch nicht sagen, dass alle Deutsche unfreundlich und ernst sind, denn das stimmt ja nicht. Mir fällt hier einfach auf, dass die Kolumbianer anders miteinander umgehen.
Und das ist auch das, was ich am Meisten an Kolumbien liebe ❤

Morgen geht es endlich nach Cali für eine Woche mit Pauline, Patricia und Ronja. Deshalb werde ich nichts schreiben können und muss jetzt noch Sachen packen.

Weisheit des Tages: Es wird schwer einen krassen Kulturschock in Kolumbien zu erleben. Aber eins steht fest, viele Kolumbianer sind sehr liebenswürdige, offene, glückliche Menschen.