Ein Zug aus Eis und Feuer

Ich habe etwas getan, was ich immer wieder gerne tue: Neues ausprobieren!

Das Blog-Schreiben macht mir viel Spaß, obwohl ich momentan nicht viel zu berichten habe. Sobald ich wieder in Kolumbien bin, wird sich das jedoch ändern.
Um mal wieder einen anderen Text, als eine Hausarbeit zu schreiben, habe ich mich daran gewagt, eine Rezension zu verfassen, die auf dem Blog der lieben Marie veröffentlicht wurde. Schaut unbedingt bei ihr vorbei. Auf Everything is literary schreibt sie vor allem über Bücher, die sie inspirieren, sodass man direkt Lust bekommt, sie auch zu lesen!

Zu meinem letzten Geburtstag habe ich ein Buch von meinen Eltern geschenkt bekommen, welches ich in den Semesterferien endlich gelesen habe. Während des Semesters muss ich viele Texte für die Uni lesen und genieße es sehr, mich in der „freien Zeit“ mit anderer Literatur zu befassen.

Ein Zug aus Eis und Feuer ist ein Buch, das sehr zu Julumbien passt. Mir hat es so gut gefallen, dass es Gegenstand meiner ersten Rezension wurde.
Einige kennen vielleicht die Band Mano Negra, von der im Folgenden die Rede ist. Ich bin seit der 7. Klasse ein kleiner Fan von Manu Chao und seiner Musik, die wir im Spanischunterricht hörten. Die politischen Texte und unterschiedlichen Genres, die er zusammenmixt, inspiriert durch viele seiner Reisen, faszinieren mich.

Hört doch mal rein: Hier geht es zu Manu Chaos offiziellem YouTube-Channel.


***Diese Rezension erschien im Original als Gastbeitrag auf Everything is literary***

Kolumbien in den 90er Jahren. Gewalt, Macht- und Drogenkämpfe, politische Unruhen und Unzufriedenheit der Bevölkerung beherrschen das Land. Eine Gruppe bunter Künstler aus den verschiedensten Regionen traut sich mit einem gewagten Kulturprojekt nach Südamerika. Sie bauen aus Schrottteilen einen Zug zusammen, der auf der damals einzigen Zugstrecke Kolumbiens durch die Provinz fährt, und geben kostenlose Auftritte in den Dörfern. Mit an Bord ist die französische Band „Mano Negra“ mit Frontsänger Manu Chao, die für ihre spanischsprachige Musik weltweit bekannt ist. Begleitet werden sie von Rámon Chao, Manu Chaos Vater, der die Reise dokumentiert. Ein Reisetagebuch entsteht.

Es hört sich nach einem unglaublichen und auch gefährlichen Abenteuer an, welches die Gruppe antritt: Sie fahren durch die ärmsten Dörfer Kolumbiens um Auftritte zu geben und beeindrucken die Menschen mit einer schillernden Mischung aus Trapezkünstlern, einer Tätowierbude, Eis- und Feuerwaggons, die in Flammen aufgehen und vielen Angeboten, die die Menschen zum Strahlen bringen.
Von Anfang an werden dem Projekt jedoch Steine in den Weg gelegt. Die Finanzierung durch große Sponsoren scheint nicht sicher zu sein, am Zug treten ständig Schäden auf, die repariert werden müssen; er entgleist auf der Reise fast täglich und kommt nur mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h voran. Krankheiten, auf die niemand vorbereitet war, befallen die Reisenden und es gibt nicht einmal einen Arzt auf dem Zug.

Immer mehr Künstler spielen mit dem Gedanken, die fünfwöchige Tour abzubrechen und vorzeitig zurück nach Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens, zu reisen, wo das große Finale ansteht. Trotz all der Schwierigkeiten lassen sich viele der Artisten nicht entmutigen. Es ist die Hoffnung, die sie jeden Tag vorantreibt. Glückselige Menschen, die in Stunden des Friedens zusammen tanzen und lachen, vor Freude jubelnde Kinder, Zusammentreffen mit offenherzigen Familien, die den Künstlern mehr mit ihrer Lebensgeschichte und Offenheit zu geben scheinen, als die Gruppe das jemals könnte.
Im Traumbüro, das in jedem Ort aufgestellt wird, verewigen sich die Kolumbianer mit ihren Wünschen. Der häufigste Wunsch ist der nach Frieden und einer besseren Zukunft für ihr Land. Begegnungen mit Menschen, die unter einem zerrissenen, korrupten Land leiden und sich nicht zur Wehr setzen können, werden gefühlvoll beschrieben und vermitteln dem Leser ein Gefühl der zerreißenden Hilflosigkeit.

„Es ist der Zug, die Fahrt, es sind die pueblos, in die man einfährt, diese Dörfer, wo die Leute wohl noch nie solch ein Spektakel miterlebt haben, und es sind die Reaktionen der Menschen, ihr herzlicher Empfang, ihre Trauer, wenn wir wieder fahren. Ich werde sie nie vergessen, und ich hoffe, sie uns auch nicht.“
– Ramón Chao, Ein Zug aus Eis und Feuer, Edition Nautilus

Rámon Chao beschreibt Kolumbien, wie es noch vor 25 Jahren aussah. Ein gefährliches Land, beherrscht von Korruption, Drogengewalt, einem jahrelangen Bürgerkrieg und verworrenen, politischen Interessensgeflechten. In den Köpfen der Menschen ist es wohl noch eines der gefährlichsten Länder der Welt. Drogenbaron Pablo Escobar, der vor 25 Jahren starb, im gleichen Jahr, als der Zug Hoffnung und Freude brachte, scheint jedem ein Begriff zu sein. Schlagzeilen im Internet und in Zeitungen tragen dazu bei, Kolumbien als gefährlich einzustufen.
Doch wie sieht Kolumbien heute aus? Ist die Lage noch genauso hoffnungslos, wie Ramón Chao sie 1993 in seinem Buch beschrieb?

2016 – ein bedeutendes Jahr für die kolumbianische Nation. Nach langwierigen Friedensverhandlungen können sich die linksextreme FARC und die Regierung einigen. Juan Santos, der Präsident Kolumbiens, gewinnt den Friedensnobelpreis. Doch es ist noch ein langer Prozess, ehe sich Kolumbiens negatives Bild weltweit ändern wird.
Mit seinen vielfältigen Landschaften von der Andenregion mit beeindruckenden Bergen über das paradiesische Kaffeedreieck, dem sagenumwobenen Amazonas, Pazifik- und Karibikküste bis hin zu den bunten, kulturellen Großstädten, entwickelt sich Kolumbien zunehmend zu einem beliebten und sicheren Reiseziel. Ein Land, in das man sich schnell verlieben kann. Das erkannte schon „Mano Negra“ im Jahr 1993.

In Ein Zug aus Eis und Feuer beschreibt Ramón Chao Kolumbiens malerische Landschaften, die heute genauso schön sind wie damals. Obwohl sich das Land während der damaligen Reise noch in einer ganz anderen Lage befand als heute, steckt der Autor den Leser mit seiner Begeisterung für die Natur und Gastfreundschaft der Kolumbianer an und vermittelt kein negatives Bild. Die abwechselnden Beschreibungen der Künstlerreise mit politischen Hintergrundwissen zur Region und historischen Ereignissen des Kolumbiens der frühen 90er Jahren, sind eine interessante Mischung, die einen guten Einblick in das vielseitige Land geben. Beim Lesen steigt man mit der bunten Gruppe auf den Zug und tuckert gemeinsam von Dorf zu Dorf durch die vielfältigen Landschaften. Jeder Ort hält eine neue Begegnung bereit. Man kann das Buch kurz zur Seite legen, vom Zug absteigen und steigt später wieder auf, um die Reise fortzusetzen und sich quer durch ein unterschätztes, wunderschönes Land führen zu lassen.


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Weisheit des Tages: Damit der Alltag nicht zu langweilig wird, sollte man sich manchmal kleinen Herausforderungen stellen und auf einen neuen Zug aufspringen. Neue Dinge auszuprobieren, kann eine positive Erfahrung sein, ob es nun ein Tanzkurs, das Erlernen einer neuen Sprache oder eben das Verfassen von Buchrezensionen ist 🙂
Wann war das letzte Mal, dass ihr etwas Neues ausprobiert habt?

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